Provence Sommer 2011


Provence Land der Künstler, der Düfte und des Lichts

Provence, schon der Name verspricht Sonne, Savoir-vivre mit einem Gläschen Wein in einem beschaulichen Dorf, den Duft von Kräutern, Blumen und natürlich Lavendel.

Im Frühsommer 2011 begeben wir uns auf die ca. 1000 km lange Reise in den Süden Frankreichs.

Völlig untypisch für uns wählen wir die Hauptreisezeit im französischen Hochsommer um auch wirklich die Lavendelblüte zu erleben. Etwas mulmig ist mir schon bei dem Gedanken meinen Urlaub mit Horden von Touristen zu verbringen, uns um Parkplätze zu sorgen oder ohne Reservierung keinen Platz im Restaurant zu ergattern. Gott sei dank stellt sich meine Sorge als unberechtigt heraus und wir können den Urlaub aus vollem Herzen genießen.

Am 25. Juni 2011, zur üblichen Zeit, führt die Fahrt über den Bodensee, vorbei an Zürich und Bern über Genf nach Frankreich. Ziel ist das kleine Dörfchen Le Barroux an den Südhängen des Mont Ventoux, in dessen Nähe wir für zwei Wochen ein Ferienhäuschen gemietet haben. Mitten in einem Olivenhain gelegen, entpuppt sich unser Domizil als kleiner, aber relativ neu renovierter Anbau eines typisch südfranzösischen Landhauses. Die pensionierten Besitzer wohnen im Haupthaus und sprechen sogar Englisch, was aufgrund unserer fehlenden Französischkenntnissen durchaus von Vorteil ist. Sehr angenehme und zurückhaltende Leute.

Nachdem wir uns in einem nahegelegenen Supermarkt mit dem nötigsten versorgt haben, waschen wir uns mit einem Bad im erfrischenden Pool den Reisestaub vom Gesicht und genießen bei einem Gläschen vin und lautem Grillengezirpe den sonst stillen, sommerlichen Abend.

 

Die Provence liegt zwischen dem Rhonetal im Westen und Italien im Osten am Mittelmeer. Zusammen mit der Cote d´ Azur umfasst sie sechs Departements. Hauptstadt der Provence ist die Millionenmetropole Marseille, aber trotz der deutlichen Verbesserung ihres Rufes wollen wir diese Stadt nicht wirklich besuchen. Uns ist eher nach Ruhe und Entspannung in der Natur und gemütlichen Stunden in kleinen Dörfchen. Wir beschränken uns fast ausschließlich aufs Vaucluse, dem geographischen Zentrum der Region.

Der Norden der Provence wird beherrscht von seiner höchsten Erhebung, dem Mont Ventoux. Mit seinen knapp 2000m und dem stark verkarsteten Gipfel ist er bei klarer Witterung fast von überall in der Provence sichtbar.

An seinen Hängen kann man mehrere Vegetationszonen bewundern, von mediterranem Klima am Fuß bis zu subpolarer Flora am Gipfel. Wie der Name schon sagt herrscht am Gipfel ständiger Wind, der bei Mistral bis zu 200 km/h stark werden kann. Dadurch ist die Gipfelregion stark verkarstet und sieht von weitem wie schneebedeckt aus. Im Winter ist das auch durchaus der Fall und auf der Nordseite ist ein populäres Skigebiet angesiedelt. Im Sommer gehört der Berg allerdings den Radfahrern. Als mehrfaches Etappenziel der Tour de France zieht er Radsportfreunde aus aller Welt an. Man kann den Gipfel entweder von der Nordseite, von Malaucene aus anfahren oder vom Süden mit den Startpunkten Sault oder Bedouin. Beide Anfahrten erstrecken sich über ca. 20 km und haben eine durchschnittliche Steigung von 7%.

An einem der ersten Urlaubstage, bei heißen Temperaturen, wollen wir auch mal die Aussicht auf dem Berg des Windes bewundern. Wir starten unsere Tagestour in Malaucene, an der Nordwestflanke des Berges. Nach der Besichtigung des netten Ortes machen wir uns an den Aufstieg, bzw. Auffahrt. Wir wählen die faule Variante und erklimmen den Gipfel mit dem Auto, alles andere wäre für uns auch undenkbar. Zu Fuß ist es einfach zu weit und auch mit dem Fahrrad würde ich wohl schon nach den ersten 2 km schlapp machen.

So fahren wir gemütlich an einer nicht enden wollenden Radfahrerschlange vorbei Richtung Gipfel. Es herrschen Temperaturen jenseits der 30°C und ab der Hälfte des Anstieges ist kein Schatten mehr vorhanden. Hut ab vor allen Radfahrern, die sich bei diesen Bedingungen in den Sattel schwingen. Es sind fast nur Rennradfahrer unterwegs und sehr viele der Generation 60+. Meine Güte, da lässt so mancher Rentner die Jungspunde alt aussehen. Wir haben herrliches Wetter und auch der Wind hält sich heute zurück, so können wir die grandiose Aussicht, von den Alpen bis zum Mittelmeer, ungestört genießen. Für die Abfahrt wählen wir die Südflanke des Berges und müssen uns daher wohl oder übel mit dem Auto über die Gipfelkuppe quetschen. Hier herrscht reges Treiben. Radfahrer, Busse, Autos und Fußgänger teilen sich die enge Straße. Nach ein paar nervigen Rangierübungen geht es dann aber bald Richtung Sault. Auch von dieser Seite des Berges das gleiche Bild. Hunderte von schwitzenden, keuchenden Radlern versuchen sich am Aufstieg.

Sault gilt als Lavendelhauptstadt der Provence. Echter Lavendel gedeiht erst ab einer bestimmten Höhenlage, so ist es kaum verwunderlich, dass die größten und meisten Lavendelfelder der Provence hier im Mont Ventoux Gebiet wachsen, wo sie ideale Bedingungen vorfinden. Auf dem Weg ins Tal können wir daher schon einige sehr schöne Felder bewundern. Noch sind nicht alle Knospen aufgeblüht, aber schon jetzt ist es eine wahre Augenweide, die schier endlosen blauen Felder in der sonst kargen Landschaft, leuchten zu sehen. Auch die Nase kommt auf ihre Kosten und selbst im geschlossenen Auto nimmt man den Duft des Lavendels wahr.

Wir suchen und finden immer neue, fotogene Motive, wie z. B. eine verfallene Hütte mitten im Lavendelfeld oder einzeln stehende, windgepeitschte Bäume, so macht Fotografieren Spaß.

Sault selber ist ein kleines Dörfchen mit ein paar Souvenirläden, Restaurants und Spezialitätengeschäften. Erwähnenswert ist die Lavendelkooperative, die alle möglichen Lavendelprodukte wie z.B. Lavendelöl, -essenzen, -säckchen, -honig und sogar Lavendeleis vertreibt. Mmmmh köstlich. Selbst die Händler der Märkte kaufen hier ein.

Ansonsten geht es eher beschaulich zu und von den erwarteten Menschenmassen ist nichts zu sehen.

Das Mont Ventoux Gebiet ist durchzogen von kleinen Straßen, die alle gut mit dem Auto/oder Rad zu befahren sind und immer neue Perspektiven bieten. Aber so richtig intensiv kann man die Gegend eigentlich nur zu Fuß erkunden. In der Provence gibt es unzählige, sehr gut ausgeschilderte Wanderwege jeglicher Schwierigkeitsstufe. Vom gemütlichen Spaziergang bis zur hochalpinen Tour.

Die Reisezeit ist vielleicht wegen der anhaltenden Hitze nicht ganz optimal zum Wandern, zumal viele Wege nur wenig Schatten vorweisen können, aber wir waren trotzdem angenehm überrascht über die vielen gut organisierten Möglichkeiten, das Land auf Schusters Rappen zu entdecken.

Wir haben uns für die Reise den Wanderführer Provence aus dem Michael Müller Verlag besorgt und uns dort einige Wanderhighlights aus der Gegend ausgesucht. Der Reiseführer des Autors, Ralf Nestmeyer, hat uns schon bei unserer Englandreise gute Dienste geleistet und auch dieser Wanderführer hält was er verspricht.

 

Bei der ersten Wanderung entscheiden wir uns für eine eher mäßig schwere Runde an der Südflanke des Berges.

Vom kleinen Örtchen Beaumont-du-Ventoux aus zieht sich der Weg durch schattigen Wald auf ein kleines Plateau. Gleich zu Beginn der Wanderung begleitet uns ein fremder Hund, der uns dann die kompletten 12 km nicht mehr von der Seite weicht. Am liebsten wäre er wohl mit uns gefahren. Mir brach es fast das Herz, als wir ihn am Ende der Tour am Ausgangspunkt zurücklassen mussten.

Nach der Überquerung des Plateaus geht es weiter bergan, bis wir so nach 1,5 h die Chapelle Saint- Sidoine erreichen. Diese thront auf einem kleinen Felsvorsprung über dem Abhang, wirklich sehr romantisch. Wir machen Rast und teilen den Proviant mit unserem treuen Begleiter. Über die kleinen Weiler Las Alazards geht es entlang weitläufiger Obstplantagen, in denen Kirschen, Pfirsiche und Aprikosen reif an den Bäumen hängen, zurück nach Beaumont.

Fensterdekoration
Fensterdekoration

Im Westen des Mont Ventoux und südlich der alten Römersiedlung Vaison-la-Romaine liegt eine weitere markante Gebirgskette, die Dentelles de Montmirail. Die sogenannten „Klöppelspitzen“, benannt nach ihren wie Häkelspitzen geformten Gipfeln, sind weit über die Grenzen des Vaucluse hinaus als Kletter- und Wanderparadies bekannt. Mehr als 600 Routen ziehen sich durch das relativ kleine Gebiet.

Auch wir picken uns eine Tour aus dem Wanderführer raus und starten in dem kleinen Dorf Gigondas unsere Wanderung. Gigondas liegt am Fuße der Dentelles und lebt, außer vom Tourismus, auch vom Weinanbau. Hier werden hauptsächlich hochwertige Rot-, und Roséweine angebaut und gekeltert. In kleinen Enothekas kann man nach getaner Arbeit oder Bergtour diese dann auch stilvoll verköstigen.

In einem winzigen Tante Emma Laden versorgen wir uns noch mit Proviant und los geht’s. Wir umrunden auf angenehm schattigen Wegen die Gipfel der Gebirgskette. Der Weg über die Spitzen ist uns bei den Temperaturen zu anstrengend. So wandern wir durch Weinberge und Olivenhaine und genießen die Aussicht auf die bizarr geformten Felsen. Es ist Wochenende und Mittagszeit als wir Gigondas wieder erreichen und leider ist kein Plätzchen mehr frei, um im Schatten der Platanen einen Chateauneuf du Pape zu probieren. Na dann geht es eben nach Hause an den Pool zum Relaxen.

Markttag in der Provence
Markttag in der Provence

Der einzig größere Ort in der Nähe unserer Unterkunft ist das ca. 30km südlich gelegene Städtchen Carpentras.

Carpentras hat ca. 30000 Einwohner und keine nennenswerten touristischen Sehenswürdigkeiten, außer vielleicht der ältesten französischen Synagoge im Judenviertel der Stadt, in der noch heute regelmäßig Gottesdienste abgehalten werden. Mir persönlich gefällt die Stadt nicht besonders. Vielleicht weil wir mal wieder vergeblich 2h einen Supermarkt suchen mussten, der dann, als wir ihn endlich gefunden haben, schon geschlossen hatte. Oder vielleicht weil wir uns sehr häufig durch das bisweilen völlig undurchsichtige Verkehrschaos kämpfen mussten. Oder einfach weil hier ab 18 Uhr abends die Gehsteige hochgeklappt werden und wir etwas planlos durch die Innenstadt liefen, um vielleicht noch irgendwo ein Gläschen vin rouge abzubekommen, leider vergeblich.

Nur einmal in der Woche tobt hier der Bär. Freitag Vormittag ist Markttag in Carpentras. Die Provence und ihre Märkte; ein Kapitel für sich. Wenn man ein Bild eines deutschen Marktes vor Augen hat, sieht man bestenfalls die grünen Wochenmärkte, auf denen Obst und Gemüse der Region feilgeboten werden. Die Warenmärkte beschränken sich, zumindest in bayrischen Kleinstädten, auf eine handvoll Stände, die Billigtextilien aus Asien, buntes Plastikspielzeug oder einfache Haushaltsgerätschaften anbieten. Sprich, für meinen Geschmack lohnt sich ein Bummel dort so gar nicht. Im Reiseführer werden die Märkte der Provence zwar schon als Highlight angekündigt, meine Erwartungen hielten sich aber in Grenzen. Umso schöner war dann die Überraschung. Bei den provencalischen Märkten ist die ganze Stadt auf den Beinen. Die gesamte Innenstadt von Carpentras ist belegt von hunderten Händlern, die dem geschätzten Kunden eine Fülle von Waren anbieten. Die Palette reicht von frischen und poliertem Gemüse, schöne Leinentextilien für die Sommergarderobe, duftende Seifen aus Marseille, Schmuck und anderes Kunsthandwerk. Bunte Korbtaschen leuchten aus der Menge, Bauern schneiden aus riesigen Käselaiben Probierstücke ab, pralle Oliven glänzen in der Sonne. Ich kriege den Mund gar nicht mehr zu vor lauter Staunen. An einem Stand kann ich mich doch glatt durch ca. 20 Salamisorten durchtesten. Göttlich. Carpentras hat anscheinend einen relativ großen nordafrikanischen Bevölkerungsanteil, dadurch wirkt ein Teil des Marktes fast wie ein marokkanischer Soukh. Enge Gassen in denen verschleierte Frauen ihre Einkäufe tätigen, der Duft fremdartiger Gewürze und arabische klingende Laute lassen den Orient auferstehen. Wir schlendern einige Stunden!!! Durch das Gewühl, und sogar mein Mann kann nicht genug bekommen vom Shoppingerlebnis.

In der Provence finden im Sommer jeden Tag Märkte statt. Viele der Händler wandern von einer Stadt zur nächsten. Freitag Carpentras, Samstag Avignon und Sonntag L´isle sur la Sorgue.

Den sonntäglichen Markt in L´isle sur la Sorgue können wir auch nur jeden Besucher ans Herz legen. Zu den unzähligen Händlern gesellen sich hier noch die vielen netten Bistros und Cafes, die entlang der beiden malerischen Sorgueufern liegen und auf Gäste warten. Ein Trödel-, und Antikmarkt wird parallel abgehalten. Hier kann man getrost den ganzen Sonntagvormittag verbringen, ein paar Souvenirs ergattern und dazwischen einen Cafe au lait genießen. Auch ohne Markt ist die kleine Gemeindestadt südlich von Carpentras einen Besuch wert. Idyllisch ist der Stadtkern von zwei Flussarmen eingeschlossen. Alte Schaufelräder und unzählige kleine Brücken ergeben ein stimmiges Stadtbild. Viele Restaurants säumen die Uferstraßen, für jeden Geschmack ist Sorge getragen, so dass man Mittag, oder noch besser am Abend bei romantischer Beleuchtung, speisen kann. Auch in der Innenstadt gibt es einige sehr stilvolle Restaurants. Wir besuchen an einem unserer letzten Tage das Le Prevote. Das Ambiente des Lokals ist sehr stilvoll, das 5 Gänge Menü köstlich und der Service sehr zuvorkommend. Das Haus bietet auch einige Zimmer zum Übernachten an. Ein idealer Ort um den Urlaub ausklingen zu lassen.

Ganz in der Nähe von L´isle sur la Sorgue liegt der kleine Ort Fontaine-de-Vaucluse. Vielen Menschen ist L´isle sur la Sorgue schon zu touristisch, mir gefällt es trotzdem, aber der kleine Nachbarort an der Quelle der Sorgue ist auch für meine Begriffe zu fest in Pauschaltouristenhand. Busladungen voll Menschen werden hierher gekarrt, um einen Blick auf die berühmt berüchtigte Quelle der Sorgue zu werfen, ein paar Souvenirs zu kaufen und ein schnelles Mittagessen zu verzehren. Kurz: zuviel Trubel um zu wenige Attraktionen. In den Frühjahrsmonaten speisen hier bis zu 22m³ Wasser pro Sekunde das Flüsschen, jetzt im Sommer ist von dieser unbändigen Kraft nichts zu spüren und die Quelle ist eine unscheinbare Pfütze. Der Grund des Quelltopfes liegt auf 308m und wurde erst in den 80er Jahren durch ein ferngesteuertes U-Boot erreicht.

Die Sorgue durchschlängelt den kleinen Ort wie ein grünes Band und bietet trotz zahlreicher Touristen ein lohnenswertes Motiv. Wir starten von hier aus wieder zu einer 12 km langen Rundwandertour ins Hinterland von Fontaine-du-Vaucluse. Schon nach mehreren 100m sind wir allein in der Landschaft und folgen einem breiten Weg bergan auf eine kleine Hochebene. Es herrscht Mistral. Der bekannte Fönwind aus dem Norden bläst durchschnittlich 200 Tage im Jahr. Hauptsächlich im Frühjahr. Jetzt im Hochsommer ist der kalte Wind richtig angenehm, wenn auch auf der Plain ganz schön böig. Wenn der Mistral weht ist ein typisches Wetterverhalten zu beobachten, ähnlich wie bei seinem süddeutschen Verwandten. Stahlblaue Bewölkung mit kleinen Wölkchen und klare Sicht. Super zum fotografieren. Wir müssen auf der Hochebene den Wanderweg laut Beschreibung kurz verlassen und verlaufen uns prompt im Dickicht. Nach kurzen Suchen finden wir aber bald den richtigen Weg und wandern durch knorrige Wacholderwälder, verlassenen Bauernhöfen und dem Rocher de l´Homme Mort (der Fels des toten Mannes) zurück nach Fontaine-du-Vaucluse.

Schon lange kein Geheimtipp mehr ist das Gebiet des Luberon. Zwischen dem Mont Ventoux Gebirgszug und dem Tal der Durance liegt die Hügelkette im Herzen der Provence. Im Westen liegt der Petit Luberon mit seinen malerischen Dörfern und sanften Hügel, während sich weiter östlich der wilde und unberührtere Grand Luberon erhebt. Seit einigen Jahren gewinnt der Luberon an Popularität, auch bedingt durch Literatur und Film. So lebt in dieser Gegend der Schriftsteller Peter Mayle, der durch seine Provenceromane, z.B. Mein Jahr in der Provence, zu Ruhm gelangte. Auch als Filmkulisse lassen sich einige Orte sehr gut verwerten. In dem romantischen Film „ ein gutes Jahr“, mit Russel Crowe kann man viele der Locations hier im Luberon wiederfinden. Menerbes, Gordes oder Cucuron z.B. Gottseidank ist der Luberon seit 1977 zum Regionalpark ausgerufen worden. Somit stehen die Chancen gut, um diesen wunderschönen Landstrich in den kommenden Jahren zu erhalten.

Wir beginnen mit unserer Entdeckertour im Petit Luberon, genauer gesagt im Ruinendorf des alten Oppede-le-Vieux. Das Dorf wurde schon vor Jahrhunderten von den Bewohnern verlassen, die sich lieber im fruchtbaren Tal niederließen. Erst Ende der 70er Jahre, als der Luberon allmählich populär wurde, erkoren sich einige Künstler, die Überreste des ehemaligen Dorfes, zu ihrer Wirkungsstätte. Weite Bezirke des Dorfes sind noch heute Ruinen, unter anderem auch die Burg aus dem 13.Jahrhundert. Man kann mit teilweise abenteuerlichen Kletterungen die Ruine, nebst Toilette, erkunden. Dabei sollte man aber tunlichst Vorsicht walten lassen, da der Felsen oft senkrecht in die Tiefe abfällt. Trotzdem, oder gerade wegen der fehlenden Sicherungen ist es ungemein interessant in den verfallenen Gebäuden umherzuschweifen und der Phantasie freien Lauf zu lassen, wer wohl hier gelebt haben mag.

Am Fuße des Hügels gibt es einige renovierte Gebäude, die Restaurants oder Künstlerwerkstätten beherbergen.

Ein paar Kilometer weiter liegt der kleine Weiler Menerbes. In der Dorfmitte, in einem netten kleinen Cafe gönnen wir uns auf der schattigen Veranda einen Salat zu Mittag und genießen die Aussicht auf das Tal. Angeblich ist der Ort fester Bestandteil diverser Busreisen, da hier der berühmte Roman „ Mein Jahr in der Provence“ angesiedelt ist und auch dessen Autor bis vor kurzen hier lebte. Nachdem ihm aber der Trubel um seine Person zu viel wurde (Touristen im Garten!!) zog er sich vor ein paar Jahren nach Lourmarin zurück, mit unbekannter Adresse. Vielleicht hat seither der Rummel etwas nachgelassen. Wir jedenfalls haben ein sehr nettes Dorf mit gemäßigtem Tourismus kennen gelernt, das uns mit seinem stimmigen Gesamteindruck sehr gefallen hat.

Nächster Halt Lacoste. Wieder klebt das Dorf wie ein Adlernest auf einem der unzähligen Hügel im Luberon.

Überragt wird es von einer sehr eindrucksvollen Burgruine. Das allein wäre schon sehenswert, aber der Reiz der Anlage geht noch heute von seinem ehemaligen Besitzer aus. Dem berüchtigten Marquise de Sade. Hier sollen Misshandlungen, Auspeitschungen und Orgien stattgefunden haben. Die Ruine wurde vor einigen Jahren von dem Modeschöpfer Pierre Cardin erworben und nach teilweiser Restaurierung bewohnt. In den Sommermonaten werden hier Kunst-, und Musikfestivals abgehalten. Die Carmina Burana in dieser Kulisse stelle ich mir grandios vor. Auch der Rest des Dorfes ist schon restauriert und fotogen gestaltet und fest in Künstlerhand. So hat zum Beispiel das amerikanische Savannah College of Art and Design hier einen Außenposten, so dass man viele Studenten bei ihren praktischen Arbeiten beobachten kann.

Als echter Geheimtipp hingegen entpuppt sich die etwas abseits gelegene Abbaye de Saint- Hilaire. Das ehemalige Karmeliterkloster kann zwar kunsthistorisch nicht mit den großen Abteien in der Gegend mithalten, aber allein die Lage ist traumhaft und der Garten einfach zauberhaft mit Rosen, Lavendel und Bogengänge mit wildem Wein. Hier schlägt jedes Fotografenherz höher, zumal nur wenige Besucher anwesend sind und wir die Gebäude fast für uns alleine haben. Idylle pur.

Bonnieux ist der nächste Ort im Petit Luberon, den wir besuchen. Hier fehlt zwar so ein echtes touristisches Highlight, keine Burg oder Abtei, aber trotzdem hat der größte Ort im Luberon Charme. Wir schlendern durch die Gassen, bewundern die Aussicht vom Kirchhof und genießen ein leckeres Essen in einem der zahlreichen Restaurants des Dorfes. Ganz in der Nähe von Bonniex ist übrigens das Chateau und Weingut, in dem „das gute Jahr“ gedreht wurde. Besuchen kann man Chateau la Canorgue nur zur Weinprobe, der allerdings soll von ausgezeichneter Qualität sein. Ein paar Kilometer weiter spannt sich die Pont Julien über den Calavon. Die alte römische Steinbogenbrücke war bis 2005 noch für das alltägliche Verkehrsaufkommen in Gebrauch. Erst dann wurde eine Umgehung gebaut und seither ist die Brücke nur noch für Fußgänger und Radler frei. Sie gilt trotz ihres über 2000 jährigen Gebrauchs, als am besten erhaltene romanische Brücke Frankreichs.

Avignon ist die Hauptstadt des Vaucluse. Sie liegt am Zusammenfluss von Rhone und Durance im Südwesten der Provence. Wir besuchen die weltberühmte Stadt an einem Spätnachmittag außerhalb der Festivalzeit. Sehenswert ist natürlich hauptsächlich die Altstadt mit ihrer komplett erhaltenen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Am Rande der Altstadt gibt es riesige Parkplätze, die sogar gratis sind, teilweise fahren Shuttlebusse in die Altstadt, aber man auch getrost, so wie wir, die kurze Strecke zu Fuß zurücklegen. Der erste Weg in Avignon führt fast zwangsläufig zum Papstpalast. An dem großen Platz davor gönnen wir uns erst einmal einen Cocktail und beobachten das Kommen und Gehen der Touristen, Straßenmusikanten und Einheimischen. Beherrscht wird der Platz vom eindrucksvollen Palast, der im Mittelalter Sitz einiger Päpste war.

Wir sind leider schon etwas spät dran, um uns dem Innenleben des Palastes zu widmen, aber wir wollen das im Laufe des Urlaubes unbedingt noch nachholen. Heute begnügen wir uns mit dem Blick von außen. Im Palast können sowohl Kunstausstellungen als auch die Räume von Clemens V und dessen Mitstreiter besichtigt werden.

Wir schlendern weiter durch die Stadt. Vorbei an Museen, Kirchen und alten Hotels. Entlang der Rue de la Republique reiht sich ein Restaurant ans andere. Jetzt zeigt sich der Vorteil, wenn man im Sommer unterwegs ist. Das ganze Leben spielt sich draußen ab. Zum Sonnenuntergang zieht es uns wieder aus der Stadt. Am Rhoneufer liegt die viel besungene Pont Saint Benezet, besser bekannt als Pont d´Avignon. Von den ehemaligen 22 Bögen, die die Rhone überspannten, sind heute nur noch 4 erhalten und die Brücke endet daher mitten im Fluss. Trotz der vielen Touristen legt sich nun zum Tagesausklang eine beschauliche, fast ruhige Stimmung über die Stadt. Wir beschließen an den kommenden Tagen noch mal nach Avignon zu fahren um Nachtaufnahmen zu machen und gemütlich zu Abend zu essen. Leider haben wir das Vorhaben etwas zu lange hinausgezögert. Am Abend vor dem Festival war an ruhige Fotoaufnahmen nicht mehr zu denken. Die Stadt platzt aus allen Nähten, selbst die weiter entfernten Parkplätze waren dicht, so müssen wir unser geplantes Vorhaben auf den nächsten Urlaub verschieben. Macht auch nichts. Das ist auf alle Fälle wieder ein Grund mehr, noch mal in die Provence zu reisen.

Zum Pflichtprogramm jeder Provencereise gehören auch die Ockerbrüche von Roussillon und Rustrel. Hier wurden schon zur Steinzeit Ocker gewonnen und zu Farbe verarbeitet. Der größte Bedarf dieses natürlichen Pigmentes war Ende des 19.Jahrhundert. Zu der Zeit war Ocker aus Frankreich ein gefragter Rohstoff, der in die ganze Welt exportiert wurde. Erst als es möglich wurde, die Farbe chemisch zu synthetisieren, kam der Abbau langsam aber stetig zum Erliegen. Unser erster Besuch gleich an unserem ersten Urlaubstag gilt dem Colorado Provenzeal in Rustrel. Anders als sein großer Bruder in Roussillion gibt es hier weniger spektakuläre Felsformationen, dafür ist das Gebiet weitläufiger und deutlich weniger überlaufen. Vom teils schattigen Parkplatz führt ein gut ausgeschilderter Weg in die Ockerbrüche. Man hat die Wahl zwischen drei verschiedenen Wegführungen, vom kurzen Spaziergang bis zur 3 Stunden Wanderung. Wenn schon, denn schon denken wir uns und nehmen natürlich die längste Route vor, schließlich ist man ausgeruht und heiß auf neue Entdeckungen. Apropos heiß, das richtige Stichwort bei diesem Ausflug. Es ist Ende Juni und Mittagszeit, d.h. es herrschen gut und gerne 38°C im Schatten. Wir schleichen mehr, als wir gehen, durch lichte Wäldchen mit immer wieder fantastischen Ausblicken auf die Rot-, Gelb-, oder Beigefärbung des losen Gesteins. Wir passieren die „white desert“ und laufen auf dem Sentier du Sahara ( Nomen est Omen ) weiter hinein in die Märchenwelt. Nach 3h „wandern“ sind wir zwar durchgeschwitzt, aber schwer beeindruckt. Wenig Menschen, selbst am Sonntag (kein Wunder bei der Hitze), schöne Wege und eine faszinierende Landschaft machen den Colorado zu einem sehr lohnenswerten Ziel. Für Fotografen ist die Mittagszeit eigentlich nicht so optimal, aber man kann ja auch nicht alles haben. Einige gute Bilder sind uns trotz des harten Lichtes gelungen. Leider kann man das von Roussillion nicht behaupten. Wir wollen es besser machen und an einem der letzten Urlaubstage im weichen Abendlicht fotografieren. Leider haben wir uns erst recht die falsche Tageszeit ausgesucht. Die schönsten und farbigsten Steilwände der Ockerbrüche liegen in westlicher Richtung, das heißt bei Sonnenuntergang im Schatten. Hier wäre der frühe Morgen optimal, so bleibt uns nur die Aussicht auf den nächsten Frankreichurlaub. Wieder ein Grund mehr.

Obwohl der Pont du Gard strenggenommen gar nicht mehr zur Provence gehört, sollte man einen Abstecher dorthin nicht versäumen. Das römische Monument liegt ca. 30km westlich von Avignon in der Nähe des Städtchens Remoulins. Wir entschließen uns dieses prächtige Bauwerk zu erwandern. Erstens spart man sich die nicht unerheblichen Parkgebühren, und geht den Touristenhorden aus dem Weg und außerdem ist es einfach schöner sich dem Aquädukt mit gewissem Respekt zu nähern. Schließlich ist es seit 1985 UNESCO Weltkulturerbe und gilt als eines der prachtvollsten und besterhalten römischen Baudenkmälern Europas.

Die Wanderung beginnt in einem kleinen Weiler namens Saint-Bonnet-du-Gard. Wir überqueren bei der Streckenwanderung einen kleinen Höhenrücken auf dem Weg zum Pont. Keine Menschenseele ist heute an diesem herrlichen Sommertag auf dieser Strecke unterwegs. Teilweise führt der Weg durch alte Maulbeerwäldchen. Nach ungefähr 45 min. erreichen wir einen verfallenen Torbogen und kurz darauf öffnet sich der Wald für den Ausblick auf das prachtvolle Aquädukt. Wir befinden uns auf der Höhe der Obersten von 3 Arkadenreihen, die in knapp 50m Höhe den Gardon überspannen. Die bis zu 6t schweren Quadersteine wurden damals von den römischen Baumeistern millimetergenau angepasst, dass sie auch ohne Mörtel 2000 Jahre überdauerten. Wir erkunden das Meisterwerk von allen Seiten und lassen uns dann ein Stücken flussaufwärts an einem schattigen Plätzchen zum Picknick nieder. Schade, dass ich mein Badezeug nicht dabei habe, heute wäre es ideal zum Schwimmen. Der Gardon mit seinen grünen Gumpen lädt geradezu ein. Viele Kanuten paddeln mit ihren Booten vorbei und suchen nach geeigneten Anlegestellen. Wir liegen im Schatten mit Oliven, Käse, Baguette und ein Glas Wein und lassen die idyllische Szenerie auf uns wirken.

Nach dieser ausgiebiger Siesta und dem kurzen Weg zurück wollen wir am Nachmittag noch nach Arles weiter.

Arles mit seinen ca. 50000 Einwohnern liegt nur ca. 25 km vom Mittelmeer entfernt und gilt als Tor zur Camargue. Leider bleibt uns keine Zeit mehr für die einmalige Landschaft des Rhonedeltas mit seinen Flamingoschwärmen, weißen Pferden und schwarzen Stieren. Über die Stadt Arles kann ich persönlich nicht so viel berichten, das berühmteste Bauwerk, das Amphitheater, ist eingerüstet. Wir lassen uns durch die Altstadt treiben und erreichen auch zwangsläufig Van Goghs Nachtcafe, wo wir uns auch ein Tässchen genehmigen.

Leider ist der Service in diesem vor allem von Touristen besuchten Etablissement eher unterirdisch. Schade.

Der Funke des Städtchen will heute nicht so recht überspringen. Schon nach 11/2h Stadtbummel streichen wir die Segel und machen uns auf den Weg nach Hause. Eigentlich hätte noch das winzige Örtchen Les Baux , mit seiner majestätischen Burgruine auf dem Programm gestanden, aber wir sind etwas groggy von der Hitze und wollen nur noch heim in den Pool.

Heute zieht es uns wieder in den Luberon. Noch so vieles gibt es hier zu entdecken, schnuckelige Dörfer, Weingüter oder Wanderungen. Wir lassen uns Zeit und fahren ohne festes Ziel durch die hügelige Landschaft. Mittagspause machen wir in einem kleinen schattigen Wäldchen, an einem ausgetrockneten Bachbett, in der Nähe der wenig befahrenen Straße. Satt und zufrieden dösen wir eine Weile an dem friedlichen Ort ein.

Am Nachmittag erreichen wir Lourmarin. Dieses Dorf am Eingang des Grand Luberon gilt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Zu Recht wie wir meinen. Verträumte Gassen mit geschmackvollen kleinen Boutiquen, gepflegte Häuser mit Flair und an jedem freien Platz kleine Cafes oder Restaurants. Auch wir lassen uns in einer netten Bar im ersten Stock eines Wohnhauses auf der Dachterrasse nieder zu einem kühlen Drink und überblicken das Vermischen von Touristen und Einheimischen. Lourmarin ist im Vergleich zu anderen provencalischen Dörfern stark auf den Tourismus ausgelegt, aber dem Gesamtambiente tut das, im Gegensatz zu manch italienischem Dorf, keinen Abbruch. Das Chateau am Ortsrand aus dem 15. Jahrhundert soll das älteste Renaissanceschloss in Frankreich sein, wir schenken uns die Geschichte, da der Besucherandrang an diesem Sonntagnachmittag enorm ist.

Ein anderes Bild zeigt sich ein paar Kilometer weiter in dem ähnlich großen Dorf Curcuron. Hier hat der Tourismus noch nicht die Oberhand und man kann die Ursprünglichkeit des Dorflebens beobachten. Keine Souvenirgeschäfte, nur eine Boulangerie (Bäckerei) und ein kleiner Lebensmittelmarkt sind zu finden. Aber trotzdem ist der Ort nicht weniger sehenswert, anders halt aber hübsch. Das hat sich auch die Filmindustrie gedacht. Gleich zwei bekannten Produktionen diente der Ort als authentische Location. Der Husar auf dem Dach wurde hier gedreht und auch eine Szene aus dem schon erwähnten „ ein gutes Jahr“ spielt hier.

Als eigentliche Sehenswürdigkeiten kann man vielleicht die Burgruine über dem Dorf, oder den von Platanen umgebenen Löschwasserteich nennen. Dort befinden sich auch ein paar sehr nette Restaurants, die angeblich sogar Sterneküche zu bieten haben. Das Ambiente stimmt jedenfalls.

Den einzigen Schlechtwettertag in zwei Wochen Urlaub verbringen wir in Aix-en-Provence. Zugleich ist es die längste Tagesetappe der Reise. Ca. 120 km entfernt von unserem Ferienhaus, im Südosten der Provence, liegt die Universitätsstadt Aix. Laut einer Umfrage einer französischen Zeitung würden die meisten Franzosen am liebsten in Aix-en-Provence leben und wohnen. Und das hat seinen Grund. Zum ersten ist Aix, bedingt durch die Universität, eine Stadt mit sehr jungem Publikum und zum anderen aber auch ein alteingesessenes Bürgertum mit seinen Patrizierhäusern und Bäderkultur. Aix-en-Provence ist die unbestrittene Kulturhauptstadt der Provence. Zahlreiche Museen und Theater gibt es hier und auch außerhalb der Festivalzeit ist kulturell immer was los, egal ob Kino, Konzert oder Lesung, die Studenten bescheren den Einwohnern der Stadt ein reichhaltiges Angebot.

Berühmtester Sohn der Stadt ist Paul Cezanne. Der Impressionist wurde 1839 in Aix geboren und gelangte, wie so viele andere Künstler, erst posthum zu Weltruhm. Seit einigen Jahren hat die Stadt einen Erkundungsweg durch Aix angelegt, der die wichtigsten Stationen im Leben des Malers verbindet. Gekennzeichnet ist der Weg mit einem goldenen „C“, das im Pflasterbelag eingelassen ist.

Dreh-, und Angelpunkt der Stadt ist der Cours Mirabeau. Die Platanenallee zieht sich quer durch die Altstadt. Die hier ansässigen Cafes sind seit jeher Treffpunkt vieler Künstler und Literaten. Südlich der Prachtstraße befindet sich das Quartier Mazarin, dessen streng quadratisch geplanter Grundriss im Vergleich zu dem Rest der Altstadt eher nüchtern wirkt. Auch Geschäfte und Restaurant sind eher im nördlichen Teil der Altstadt zu finden. Hier ist aber dafür so einiges los. Trotz Unmengen von Kneipen, Cafes und Restaurants findet man heute zur Mittagszeit kaum ein freies Plätzchen. Wir begnügen uns daher mit einem schmackhaften Baguette und schlendern ziellos durch die unzähligen Gassen. Nach einem kurzen Gewitterschauer gehen wir weiter auf Souvenirjagd und suchen Geschenke für unsere Lieben zuhause. Nach einem halben Tag Stadtbesichtigung freuen wir uns aber auch wieder auf unser ruhiges Anwesen, ohne Bau-, oder Straßenlärm.

Wenn man in verschiedenen Bildbänden über die Provence blättert, stolpert man fast zwangsläufig über die Abbaye de Senanque als Motiv. Das alte Zisterzienserkloster inmitten von blühenden Lavendelfeldern. Die Abtei wurde im 12. Jahrhundert von dem Orden der Zisterzienser gegründet. Die Mönche des Ordens haben sich der strengen Askese unterworfen. Abgeschottet durch dicke Klostermauern wollten sie Vollkommenheit durch Einsamkeit und Enthaltsamkeit erreichen. Die strengen Regeln des Klosterlebens spiegeln sich auch in der schlichten Architektur ihrer Kirchen und Klöster wider. Auch Senanque ist in diesem nüchternen, schmucklosen Stil gebaut. Das besondere der Anlage ist die Lage und natürlich jetzt im Sommer, die Lavendelfelder, die die Abtei umgeben. Zwischen Carpentras und Apt, in der Nähe des Dorfes Gordes, liegt das Kloster versteckt in einer kleinen Talmulde. Kaum zu fassen, dass hier täglich Horden von Busreisenden und anderen Touristen einfallen, um dieses Kleinod zu besichtigen. Wir stehen schon im Morgengrauen auf um möglichst frühzeitig vor Ort zu sein. Einerseits wollen wir den Menschenmassen aus dem Weg gehen, anderseits auch das schönste Licht für diese Location zum Fotografieren mitnehmen. Als wir so gegen 6.30 Uhr ankommen liegt tatsächlich noch eine fast vollkommene Stille über dem Ort. Die Sonne erhebt sich langsam über den Hügel und taucht die Abtei in warmes Licht. Mein Mann ist in seinem Element. Aus allen möglichen Blickwinkeln wird das Kloster abgelichtet. Ich mache nur ein paar Erinnerungsbilder, ansonsten genieße ich den Augenblick und die ruhige Stimmung des anbrechenden Tages. Langsam tauchen die ersten anderen Touristen auf, als dann so gegen 8 Uhr der erste Reisebus mit deutschen Urlaubern anrauscht, machen wir uns langsam auf den Weg. Das innere der Anlage fällt heute flach, da es nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen ist. Die erste beginnt um 10 Uhr. Das ist uns zu lange zum Warten.

Wir fahren weiter nach Gordes. Wie Lourmarin ist auch dieses Dorf mit dem Prädikat versehen, eines der schönsten Dörfer Frankreichs zu sein. Heute ist Marktag in Gordes. Viele der schon altbekannten Händler treffen wir hier wieder. Nachdem wir etwas Käse und Brot erstanden haben, gönnen wir auf der wohl schönsten Terrasse Südfrankreichs eine Tasse Cafe au lait. Gönnen ist auch das richtige Wort dafür. Seit das „le Renaissance“ als Filmset herhalten musste, sind die Preise für Speisen und Getränke exorbitant angehoben worden. 13 Euro für 2 Milchkaffees sind schon happig. Aber gefallen hat es uns trotzdem. Die Lage über dem kleinen Platz mit dem Brunnen ist schon sehr romantisch. Man merkt dass der Ort viele betuchte Gäste und Einwohner anzieht. Die Hotels am Ort sind alle gehobene Kategorie, und auch die Restaurants lassen das vermuten. Wir bummeln durch die Gassen und kleinen Geschäften, trinken unser obligatorisches Perrier in einer Bar und genießen den wunderschönen Tag. Den besten Blick auf das Gesamtkunstwerk Gordes hat man etwas außerhalb des Dorfes am Fuße des Felsens. Die „Skyline“ mit seinen ockerfarbenen Häusern zieht sich pittoresk bis zum Chateau hinauf. In der Nähe dieses Aussichtspunktes befindet sich das Village des Bories mit seinen ursprünglichen Steinhäusern, die wie Bienenkörbe geformt sind. Überall in Europa lassen sich die Hütten, die ohne Fenster und Mörtel gebaut wurden, entdecken. Die Häuser in diesem Museumsdorf sind allerdings „nur“ 400-500 Jahre alt und wurden noch bis vor Kurzem von Schafhirten als Unterkunft genutzt.

Am letzten Tag unseres Urlaubes schnüren wir noch mal die Wanderstiefel mit dem Ziel Gorges de Veroncle.

Ganz in der Nähe von Gordes weist ein unscheinbares Schild den Weg zur Schlucht. Am kleinen Wanderparkplatz schultern wir unsere Rucksäcke und machen uns auf den ca. 15 km Rundweg. Nach ca. 10min steigen wir eine kurze Eisenleiter hinab in den Schluchtengrund. Der Weg zieht sich langsam in weiten Winden der immer enger werdenden Schlucht hinauf. Wir passieren einige verfallene Ölmühlen, deren jüngste Vertreter noch weit ins 19. Jahrhundert in Betrieb waren, und müssen des öfteren Trittleitern und sogar kurze Stücke mit Drahtseilsicherungen überwinden. Am Grund der Schlucht befinden sich zahlreiche Aushöhlungen des Flussbettes, die jetzt im Sommer trocken sind. Über Stock und Stein, auf und ab kraxeln wir den gut gekennzeichneten Weg entlang. Schwindelfreiheit ist zwar nicht unbedingt nötig, aber Trittsicherheit ist essentiell erforderlich. Nach ca. 1,5h Kletterei führt der Weg langsam auf den Schluchtenrand hinauf, von wo man noch mal eine geniale Aussicht auf die Gorges hat. Wir wandern durch lichte Steineichenwälder und schon bald kann man in der Ferne das schmucke Dorf Murs erkennen, wo wir Mittagspause machen wollen. Auf den ersten Blick scheint das Dorf zig Kilometer entfernt ( oh Gott noch soooo weit ), aber schon nach ca. 1h tauchen die ersten Häuser von Murs auf. Nach dem Picknick ist es nur noch ein relativ kurzes Stück, bis wir unser Auto wieder finden. Uns hat diese Wanderung am besten gefallen, die Wegführung spannend, die Landschaft phantastisch, Länge und Schwierigkeitsgrad für den Hochsommer geeignet.

Fazit:

Für mich war es nach 1999 die zweite Provencereise. Damals war ich mit dem Zelt unterwegs und habe leider einige schlechte Erfahrungen mit den Franzosen gemacht, so dass erst 12 Jahre vergehen mussten um der Gegend eine zweite Chance zu gestehen. Dieses Mal fallen die Erfahrungen mit den Menschen durchwegs positiv aus. Obwohl wir augenscheinlich kaum ein Wort französisch sprechen, werden wir überall freundlich aufgenommen, sei es Unterkunft, Restaurant oder die vielen Bäckereien die wir aufsuchen. Die Erhabenheit der Landschaft kann man sowieso kaum beschreiben. Wir haben einen kleinen Teil der Provence als vielfältiges Urlaubsziel kennengelernt. Ob Natur, Kultur, Wandern oder Shoppen, Abwechslung ist garantiert.

Meine persönlichen Highlights waren die unzähligen, topp gekennzeichneten Wanderwege, die sich durch die gesamte Provence ziehen. Da könnte sich der deutsche Alpenverein noch ein Scheibchen abschneiden. Zuhause habe ich mich deutlich öfter in den Bergen verlaufen als in Frankreich.

Es war bestimmt nicht unsere letzte Reise hierher. Die Camargue, die Gorges du Verdon, die Cote d´Azur so viel gibt es hier noch zu entdecken. Au revoir.....


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