Bretonische Brandungen

Endlich mal wieder ein längerer Urlaub in Sicht. Ziel unserer diesjährigen Reise ist der äußerste Nordwesten unseres Nachbarstaates Frankreich, die Bretagne. Leuchttürme im stürmischen Ozean, windumtoste Küstenlandschaften und die verwunschenen Wälder der Broceliande, der Geburtsstätte des Zauberers Merlin und der Fee Morgaine aus der Artussage. So stellen wir uns die größte Halbinsel Frankreichs vor. Seit Asterix und Obelix ihren Siegeszug gegen die Römer aufnahmen, weckt auch der besondere Menschenschlag der Gallier gewisse Assoziationen bei uns. Unbeugsam sollen sie sein. Verschlossen bis zur Sturheit, Ruppigkeit und tiefe Heimatverbundenheit sagt man den Bretonen nach. Mit einer eigenen, alten Sprache gesegnet, fühlen sich viele Einwohner der Bretagne in erster Linie als Bretonen und dann erst als Franzosen. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Auch uns Bayern wird eine gewisse Sturheit und Zurückhaltung Fremden gegenüber nachgesagt. Und viele von uns träumen noch immer vom eigenen Königreich.

 

Schade, dass wir weder Bretonisch noch Französisch sprechen, so dass sich die Kommunikation mit den Einheimischen etwas schwierig gestalten wird, noch dazu da deren Englischkenntnisse eher als rudimentär zu bezeichnen sind.

 

Trotzdem freue ich mich schon auf unseren dreiwöchigen Aufenthalt in hoffentlich gut ausgesuchten Ferienhäusern, auf die Landschaften und mittelalterlichen Dörfer, auf spannende Wanderungen und natürlich auf die bretonische Küche.

 

Die Bretagne ist eingeteilt in 4 Departements. Im Norden liegt die Côtes d´Armor, im Westen Finistére, im Süden Morbihan und im Osten Ille-et-Vilaine. Außer im letzteren haben wir unsere Ferienhäuser in allen Departements verteilt, um den größtmöglichen Überblick zu bekommen. Die Wege werden hier wohl etwas länger sein als in Cornwall oder der Provence und  ich hoffe, dass unsere Planung so gut war und wir nicht nur im Auto sitzen werden.

 

Apropos Planung. Eigentlich bin ich für meine geradezu minutiöse Ausarbeitung unserer Reisen bekannt, die im Freundeskreis schon für den einen oder anderen Heiterkeitsausbruch sorgten. Dieses Mal war ich ungewöhnlich faul und habe die Reiseführer nur durchgeblättert. Dabei habe ich festgestellt, dass es sehr viele interessante Orte, Landschaften und Inseln gibt, die sehenswert sind. Alles können wir unmöglich erkunden. Es muss also vor Ort entschieden werden, was machbar ist, wo das Wetter mitspielt und wozu wir auch gerade Lust verspüren. Also nichts wie los und Bon Voyage....

 

Donnerstag, 30. Mai 2013

 

2.00 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Etwas verschlafen krabbeln wir aus dem Bett. Was für eine unchristliche Zeit, aber wir haben fast 1.300 km vor uns und wer weiß, was uns auf den französischen Straßen so erwartet. Eine Stunde später, nach einer Dusche, einer Schale Müsli und einer Tasse Kaffee machen wir uns dann auf den langen Weg an die Nordwestküste Frankreichs. Über Stuttgart, Baden-Baden, Reims erreichen wir so gegen Mittag die französische Kapitale Paris. Leider haben die Wörter Umgehungsstraße oder Umleitung des Fernverkehr kein passendes französisches Pendant. Egal ob Navi oder der Routenplaner, alle jagen uns mitten durch die Stadt. Auf einer Art mittleren Ring quälen wir uns mit tausenden anderen Verkehrsteilnehmer durch Paris. Ich kann sogar den Eiffelturm ausmachen, der gar nicht weit entfernt steht. Zwei Stunden brauchen wir für gerade mal 15 km. Und auch einige Schweißperlen vergießen wir bei dem dichten Gedränge. Aber irgendwann wird es wieder flüssiger und die restlichen 400 km über Rouen und Caen laufen problemlos. Am Nachmittag kommen wir dann endlich in der Nähe von Avranches in der Normandie an. Für die nächsten beiden Tage beziehen wir ein ordentliches, kleines Hotel nicht weit vom Mont Saint Michel, eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Für heute haben wir aber keinen Nerv mehr für irgendwelche Touristenattraktionen, sondern vertilgen nur noch den Rest des Reiseproviants bevor wir dankbar in die Kissen sinken.

 

Freitag 31. Mai 2013

 

Nachdem es gestern Abend wie aus Eimern gegossen hat, geht der erste bange Blick des Tages vorsichtig zum Fenster. Inzwischen ist es zwar trocken aber dichte, graue Wolken und Nebel werfen ein trostloses Licht auf die ländliche Gegend. Wir gehen erst mal frühstücken und schlürfen Cafe au lait aus Müslischalen. Und tatsächlich zeigen sich bald die ersten Wolkenlücken und die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch den Nebel. Herrlich, endlich Urlaub! Gut gestärkt machen wir uns auf die ca. 20km lange Fahrt zum Mont Saint Michel. In der Mündung des Couesnon liegt die kleine Insel mit seiner imposanten Benediktinerabtei im Wattenmeer des Ärmelkanals. Geografisch gesehen liegt der Mont Saint Michel jetzt in der Normandie. Der Fluss Couesnon bildet seit jeher die Grenze zwischen der Normandie und der Bretagne. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Delta immer weiter nach links verschoben, so dass sich die berühmte Insel nun im Osten der Mündung befindet, also auf normannischem Boden. Dass es sich überhaupt um eine Insel handelt ist in heutiger Zeit kaum auszumachen. Nur wenige Tage im Jahr, an denen der gigantische Tidenhub seinen Höchststand erreicht, liegt der Damm zwischen Insel und Festland unter Wasser. Schuld daran ist die zunehmende Verlandung des Flussdeltas durch mitgeführten Schlamm des Flusses. Die Franzosen setzten aber alles daran, diese einmalige Attraktion als Insel zu erhalten. Daher wurden in den letzten Jahren umfangreiche Umbauarbeiten durchgeführt, bzw. sind noch immer in vollem Gange. Der Damm, auf dem jahrzehntelang die Touristen geparkt hatten wird bald abgerissen. Der neu gebaute Gezeitendamm soll Sand und Sedimente wieder aus der Bucht spülen und so die drohende Verlandung verhindern. Der Anblick des Mont ist aufgrund der vielen Bagger und des Stahlgerüsts der zukünftigen neuen Zugangsbrücke nicht ganz so romantisch wie erhofft, aber auch nicht so störend für die Bilder wie erwartet. Vom neu angelegtem Großparkplatz marschieren wir in ca. 45 Minuten zur Stadtmauer des Dorfes. Mit hunderten anderen Touristen quetschen wir uns die enge Hauptstraße mit ihren zahlreichen Restaurants, Hotels und Souvenirläden hinauf zum Kloster. Bewaffnet mit Audioguide besichtigen wir nun die mehr als 1200 Jahre alte Burg. Immer wieder zeigen sich beeindruckende Ausblicke auf die Bucht, das Land und das Wattenmeer. Inzwischen ist Mittagszeit und die Restaurants auf der Insel sind voll. Macht nichts, hier wollten wir sowieso nicht speisen. Uns zieht es auf die andere Seite der weitläufigen Bucht.  In Cancale schlägt das kulinarische Herz der Gegend. Das schmucke, kleine Fischerdorf ist weltbekannt für seine Austern. Soweit das Auge reicht reihen sich hier die Austernbänke aneinander und an jeder Ecke können die exklusiven Schalentiere verköstigt werden. Für uns ist das eine Weltpremiere. Das erste Mal in meinem Leben probiere ich die glibberigen Dinger. In dem kleinen Restaurant am Hafen gibt es anscheinend zu wenig Platz für Sonnenschirme, so dass die meisten Gäste vom Lokal mit Strohhüten ausgestattet werden. Uns so warten wir mit Sombreros auf dem Kopf auf die lebenden Austern als Vorspeise. Angerichtet auf einem Seetangbett schlürfe ich die Muscheln mit Zitrone und Vinaigrette. Also ich muss sagen sie schmecken deutlich besser als erwartet, aber trotzdem bleibt das große WOW Erlebnis aus. Deutlich skeptischer saß mein Mann vor seinem bestellten Meeresfrüchteteller. Rohe Austern und Scampi, schön und gut, aber rohe Meeresschnecken und noch laufende Babykrabben sind nicht jedermanns Geschmack. Meiner ehrlich gesagt auch nicht. Und so gehen die Schnecken unberührt wieder zurück. Schade, dass ich Hartmut beim Genuss der Vorspeise nicht fotografiert habe. Der verstörte Gesichtsausdruck war sensationell. Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang an der malerischen Küste in Richtung Pointe de Grouin,  bevor auch bald der erste Urlaubstag zu Ende geht und wir wieder todmüde ins Bettchen fallen.

 

Samstag, 01.Juni 2013

 

Bevor wir heute an die Côtes d´Armor weiterfahren und in Paimpol unser erstes Ferienhaus beziehen, wollen wir uns noch mal hier im Osten der Bretagne etwas umsehen. Nach dem Auschecken vom Hotel besuchen wir das nahe gelegene Städtchen Dol de Bretagne und den dazugehörigen Mont Dol. Ein kleiner Spazierweg führt auf das winzige Bergchen, auf dem sich eine hübsch anzusehende Windmühle befindet. In heutiger Zeit wird die Anhöhe mit ganz nettem Ausblick über die Gegend oft als Picknickplatz genutzt. Um diese frühe Stunde aber haben wir das Plätzchen fast für uns. Nächste Station ist die Kleinstadt Dinan, ein Stück weiter im Landesinneren. Der Ort ist zweigeteilt. Während sich die Neustadt um den Hafen am Flüsschen Rance schmiegt, liegt die Altstadt innerhalb mächtiger Stadtmauern auf einem 75m hohen Felsen über dem Fluss. Dinan gilt als eine der besterhaltenen Städte der Bretagne. Windschiefe Fachwerkhäuser, lauschige Plätzchen und der alte Uhrturm prägen das Stadtbild. Nur der Durchgangsverkehr stört ein bisschen die romantische Atmosphäre. In einer der ältesten Straßen Dinans, der Rue du Jerzal, die sich von der Altstadt bis zum Hafen hinab schlängelt, gönnen wir uns in einer netten Creperie die ersten Pfannkuchen des Urlaubs. Die Eierspeise hat hier in der Bretagne ihr Zuhause. Die süße Variante aus Weizenmehl heißt Crepes, während die deftige Alternative aus Buchweizenmehl ( Blé noir) Galette genannt wird. Gemeinsam ist den beiden Varianten der Zusatz von nicht allzu geringen Mengen an Butter, deren Geruch in der Bretagne allgegenwärtig ist. Zu unseren Galettes teste ich natürlich stilecht das Nationalgetränk der Bretonen, einen trockenen Cidre. Mmh, köstlich. Wir genießen unsere Mittagspause in der Sonne und schlendern anschließend gemütlich zum Auto. Weiter auf dem Weg nach Westen machen wir am Cap Frehel halt. Die kleine Landzunge mit seinen zwei Leuchttürmen ist ein bekanntes Vogelschutzgebiet. Auch wir können mit dem Fernglas Tölpel und Möwen auf einem vor gelagerten Felsen brüten sehen. Der Wind pfeift ordentlich um das offene Gelände und wir müssen auch bald weiter, da wir zur Übernahme der Unterkunft einen festen Zeitpunkt ausgemacht haben. Irgendwo auf halber Strecke nach Paimpol entern wir noch einen Supermarkt um uns für die nächsten Tage mit Lebensmittel einzudecken. Unser Vermieter übergibt uns das nette Häuschen und hat noch einige Ratschläge für Erkundungen für uns auf Lager. Leider ist die Verständigung eher stockend, so dass wir die Tipps mehr erraten, als sie zu verstehen. In der gut ausgestatteten Küche mache ich noch schnell einen Salat und wir können den Abend in unserem verglasten Wintergarten ohne den störenden Wind genießen. Durch die westliche Lage der Bretagne geht die Sonne hier eine Stunde später unter als in Deutschland. Optimal um die schönen, langen Abende draußen zu verbringen.

 

Sonntag, 02.Juni 2013

 

Brrh, nach einer sehr kühlen Nacht (10°C ohne Heizung) strahlt heute schon am Morgen die Sonne von einem azurblauen Himmel. Ist ja auch logisch, Hartmut hat heute Geburtstag, da muss man doch strahlen. Zur Feier des Tages gibt es auch ein opulentes Frühstück mit allem was der Kühlschrank so hergibt. Wir wollen, wenn möglich, heute nicht allzu lange im Auto sitzen und gehen daher einem Tipp unseres Vermieters nach. Südlich von Paimpol, an der Küste sollen wir uns umsehen, da gäbe es einige schöne Spots zu besichtigen und das machen wir dann auch. Nur 30 Minuten Fahrzeit bis nach St. Quay-Portrieux. Eigentlich zwei eigenständige Küstendörfer, die aber durch den Zuwachs des Fremdenverkehrs fast zusammengewachsen sind. Während sich Portrieux schon vor Längerem ganz dem Badetourismus verschrieben hat, ist in St. Quay der ursprüngliche Charakter eines Fischerdorfes noch etwas besser erhalten geblieben. Dort wollen wir mit unserer Erkundungstour beginnen. Heute ist Flohmarkt am Hafen und wir schlendern gemütlich durch die vielen Stände. An einem davon entdecken wir ein süßes Holzregal in Form eines Bootbugs. Hartmut kriegt gleich glänzende Augen. So ein Teil wollte er schon längst für sein Büro. Die Farbe blättert schon leicht ab aber sonst ist das Teil noch topp in Schuss und der Familienvater am Stand will nur 3€ dafür haben. Bei so einem Schnäppchen muss man gleich zuschlagen. Stolz bringen wir unsere neueste Errungenschaft zurück zum Auto, bevor wir jetzt aber endlich mit unserer geplanten Wanderung beginnen. Auf dem G30, dem Küstenwanderweg, der sich um die komplette Bretagne windet, laufen wir die paar Kilometer bis nach Portrieux. Wunderschöne, weiße Sandstrände, eine stattfindende Segelregatta und schönstes Wetter machen Lust zu beobachten und fotografieren. Nach einer Stunde spazieren gehen erreichen wir den langen Badestrand in Portrieux. Im Örtchen selber wird gerade viel gebaut. Eine Baustelle jagt die andere. Zwar wird am Sonntag nicht gearbeitet, aber für einen Aufenthalt hier fehlt uns einfach das Flair und so machen wir uns wieder auf den Heimweg nach Paimpol. Dafür wählen wir aber dieses Mal den gut ausgeschilderten Circuit de Falaise, den Weg der Steilküsten. Kleine Sträßchen, ideal zum Radfahren, schlängeln sich hoch über dem Meer nach Norden. Überall steht der Ginster in voller Blüte und bedeckt die sonst kahl wirkenden Felsen mit kräftigem Gelb. Es gibt immer wieder Parkbuchten, von denen man schöne Ausblicke über die Küste hat, oder auch picknicken kann. Am frühen Nachmittag sind wir zurück in unserer Bude und halten ein paar Stunden Siesta, bzw. telefonieren mit Zuhause. Dort herrscht im Moment Weltuntergangsstimmung. Es regnet seit mehreren Tagen ununterbrochen, die ersten Gebiete entlang der Mangfall wurden schon überflutet und Evakuierungen werden geplant. Es droht ein Jahrhunderthochwasser in Rosenheim. Wir sind schon etwas beunruhigt durch die Nachrichten aus Bayern. Hoffentlich geht alles gut aus. Zur Ablenkung fahren wir am späteren Abend zum Fotografieren nach Ploumanac'h, der Perle der Côtes du Granite rose. Der Küstenabschnitt zwischen Tregastel und Perros-Guirec gehört wohl zu den absoluten Highlights jeder Bretagnereise. Rosarot strahlen die bizarren Felsformationen im warmen Abendlicht. Unser Reiseführer schreibt: „Spaziergänge durch den Felsengarten der Côtes du Granite rose machen süchtig“.  Dem können wir absolut zustimmen.

 

Montag, 03.Juni 2013

 

Wieder schönstes Wetter und kühle Temperaturen. Heute wollen wir endlich eine längere Tour zu Fuß unternehmen. Unsere Wahl fällt auf eine etwa vierstündige Tour rund um den Ort Plougrescant, wieder an der rosa Granitküste. Wir beginnen am Parkplatz des wahrscheinlich meist fotografierten Hauses der Bretagne. Direkt an der Küste, schmiegt sich das kleine Granithäuschen zwischen zwei riesigen Felsblöcken. Im Vordergrund ist ein kleiner Salzwassersee, in dem sich das skurrile Arrangement spiegelt. Das Häuschen ist bewohnt und befindet sich immer noch in Privatbesitz, obwohl verschiedene bretonische Institutionen seit Jahrzehnten versuchen das Gebäude zu erwerben und zu vermarkten. Aber die alte Dame bleibt unerbittlich und geht sogar gerichtlich gegen kommerzielle Fotos ihres Domizils vor. Gleich links neben dem Haus befindet sich der Wanderweg, der uns in wenigen Minuten zum bekannten  Le Gouffre, dem Schlund, bringt. Diese Felsspalte markiert den nördlichsten Punkt des bretonischen Festlandes. Heute ist die See sehr ruhig und auch noch Ebbe, daher fällt das Getöse der heran brechenden Wellen eher harmlos aus. Aber auch ohne die akustische, dramatische Untermalung ist die Szenerie fantastisch. Überall auf den Felsen blühen jetzt die niedlichen, rosa Grasnelken und auch der gelb blühende Ginster ist hier reichlich vertreten. Dazu der blaue Himmel und türkisfarbenes Meer gepaart mit rosa Granit. Farben satt. Da schlägt sogar mein Laienfotografenherz höher. Nach unendlichen Stein-/Meer-/Blumenbildern setzen wir uns endlich zum Wandern in Bewegung. Wie üblich sind die Wanderwege in Frankreich bestens gepflegt und markiert. Es geht entlang der Küste, vorbei an kleinen Häfen, einem Schiffsfriedhof und einzelnen Gehöften. Es sind nur wenige andere Wanderer unterwegs, so dass jeder von uns seinen eigenen Gedanken nachhängen kann. Nach anderthalb Stunden an der Küste biegen wir wieder ins Landesinnere ab. Dort marschieren wir durch kleine Dörfer und passieren ein ansehnliches Chateau bevor wir wieder den Atlantik im Blickfeld haben. Die Wahl für einen Picknickplatz ist gar nicht so einfach, da der Wind doch ziemlich stark über die flache Küste weht. Im Windschatten einer Felsformation finden wir aber doch noch ein hübsches Plätzchen zum Rasten. Nach der Wanderung wollen wir uns noch das Städtchen Treguier ansehen. Der Ort am Fluss Jaudy trägt den Titel einer petit Cíte de charactere, sozusagen eine Kleinstadt mit Flair. Davon bemerken wir jedoch reichlich wenig. Die Altstadt ist eine einzige Baustelle, keine Creperie oder Cafe hat geöffnet. Auch andere Geschäfte sind nahezu am Aussterben. Sakralbauten, wie die riesige Kirche hier, sind nicht so unser Ding und die Fachwerkhäuser waren in Dinan auch schöner. So kehren wir Treguier relativ schnell den Rücken und fahren nach Hause. Aber nicht ohne endlich mal frischen Fisch zu kaufen. Fünfhundert Gramm Seeteufelfilet für 7€. Da drückt es uns Landratten die Tränen in die Augen. Mit frischem Gemüse gibt es ein leckeres Abendessen für zwei.

 

Dienstag, 04.Juni 2013

 

Tagesausflug auf die Ile-de-Brehat. Das kleine Eiland liegt nur wenige Minuten mit der Fähre nördlich von Paimpol.  An der Pointe de l´Arcouest legen die beiden Fähren in regelmäßigen Abständen ab. Man kann, so wie wir, entweder direkt auf die Insel übersetzen, oder erst mit dem Schiff eine Inselumrundung buchen. Wir sind richtig verwundert, dass das relativ große Boot richtig voll besetzt ist. Bisher war der Andrang von Touristen noch nicht wirklich groß (wenn man von Saint Michel mal absieht). Man kann also schon erahnen, was hier im Juli und August, wenn Hochsaison ist, über die Insel hereinbricht. Massen....                                Die Blumeninsel der Bretagne ist nur ca. 4 km lang und 1,5 km breit. Ideal um sie zu Fuß oder mit dem Mietfahrrad zu erkunden. Wir laufen natürlich und beginnen, wie alle anderen, die Tour in Port Clos, dem Anlegehafen der Insel. Eigentlich sollte die Ile autofrei sein, aber die gewitzten Einwohner behelfen sich mit den zugelassenen landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen. Die Wege auf der Brehat sind relativ schmal und so muss man als Fußgänger schon das eine oder andere mal ins Gebüsch springen, um nicht als Kühlerfigur eines Traktors zu enden. Ob das wohl im Sinne des Autoverbots ist, sei dahingestellt. Die Insel gliedert sich in zwei Teile, die durch einen nur wenige Meter breiten Isthmus verbunden sind. Die Südinsel ist dichter besiedelt und der Tourismus hat die Oberhand, während es im Norden rauer ist und noch viel Landwirtschaft betrieben wird. Am höchsten Punkt des südlichen Teils, auf einer felsigen Anhöhe, liegt die Chapelle St. Michel. Von hier oben hat man einen wunderbaren Überblick über die gesamte Insel. In etwa einer Stunde Fußmarsch kann man den nördlichsten Punkt mit seinem Leuchtturm, dem Phare du Paon, erreichen. Wir gönnen uns dort in einem winzigen Cafe mit idyllischem Garten ein süßes Crepes zum Kaffee. Schade, dass die Hortensien, die es auf der Insel zu Haufe gibt, noch nicht blühen. Das muss ja ein brillantes Farbenspiel abgeben. Aufgrund der steigenden Flut können wir die Rückfahrt zum Festland direkt in Port Clos antreten. Der lange Steg, den wir heute früh beim Anlanden entlang liefen, ist in der Zwischenzeit überflutet und verschwunden. Am Abend stromern wir noch ein bisschen durch die Altstadtgassen von Paimpol. Das kleine Volksfest, das am Wochenende an der Hafenmeile stattgefunden hat, ist schon wieder abgebaut und Geschichte. Ruhe ist wieder eingekehrt. Speziell jetzt nach Ladenschluss werden hier die Gehsteige hochgeklappt. Uns gefällt dieser Teil von Paimpol erstaunlich gut. Nette Restaurants und Kneipen, in denen allerdings nicht sonderlich viel los ist. Nach einer Stunde bummeln wird es wieder empfindlich kühl und wir flüchten ins Ferienhäuschen. Wir haben endlich einen elektrischen Heizlüfter gefunden. So können wir wenigstens das klamme  Schlafzimmer etwas behaglicher gestalten. So kalt hatte ich mir die Nächte nicht vorgestellt.

 

Mittwoch, 05. Juni 2013

 

Heute ist der erste Wolken verhangene Tag des Urlaubs. Alles grau in grau. Na dann lassen wir es heute halt mal ruhig angehen. Für den späteren Nachmittag ist Besserung angesagt. Wir bummeln am Vormittag etwas planlos rum und machen uns dann erst so gegen Mittag auf den Weg. Die erste Station für heute ist die Abbaye du Beauport. Die Ruine des ehemaligen Klosters liegt exponiert auf einer kleinen Halbinsel nur 10 Minuten von Paimpol entfernt. Leider sind wir durch unsere Bummelei schon zu spät dran für eine Besichtigung, aber auch von außen wirken die kahlen Mauern sehr wuchtig. Bis zum Ende des 18.Jahrhunderts regierten die Ordensbrüder mit harter Hand über die Bevölkerung von Paimpol. Nicht nur in religiösen, auch in weltlichen Belangen trafen die Mönche oft strenge Urteile, wie in der Klosterbiographie nachzulesen ist. Nach dem Eintreffen eines deutschen Reisebusses mit vielen Rentner suchen wir das Weite. Aber was wollen wir machen??? Gute Frage. Also erst mal rein ins Auto und Reiseführer wälzen. Es zieht uns wieder an die rosa Granitküste. Im Westen, in der Nähe von Trébeurden kann man eine stillgelegte Satellitenstation und ein Planetarium besichtigen. Gleich neben dem Hightech-Museum ist ein kleines Gallierdorf nachgebaut worden um allen Asterixfans einen kleinen Einblick in die Lebensweise der alten Gallier zu ermöglichen. Die Anlage ist aber definitiv mehr für Kinder geeignet, mit vielen Spielmöglichkeiten, die uns Erwachsene aber überfordern oder aber gerade außer Betrieb sind. Schade um die Zeit. Wir fahren zur Stärkung weiter nach Trégastel. In einer Strandcreperie gibt’s Galettes und Crepes. Leider wird das Wetter nicht wirklich besser und wir spazieren im trüben Licht den Strand entlang. Die Felsformationen wirken auch bei schlechtem Wetter majestätisch, aber die Badeanlagen der Feriendörfer wirken trist und leer. Kaum vorzustellen, dass hier im Hochsommer der Bär tobt. Der ganze Ort ist jetzt in der Vorsaison wie ausgestorben. Vermutlich herrschen hier die gleichen Probleme wie in allen Ferienorte am Meer. Der Großteil der Immobilien wird nur ein, zwei Wochen im Jahr als Urlaubsdomizil genutzt und den Rest des Jahres bleiben sie unbewohnt. Die vielen verschlossenen Fensterläden wirken im Moment jedenfalls sehr abweisend. Auch  für das Aquarium in Trégastel können wir uns heute nicht mehr begeistern und so  fahren wir zurück nach Paimpol.

 

Donnerstag, 06.Juni 2013

Heute sieht das Wetter Gott sei dank wieder freundlicher aus. Beschwingt durch den Sonnenschein machen wir uns erneut in den Westen auf. Das Ziel ist die zweigrößte Stadt im Departement Côtes d´Armor, Lannion. In früherer Zeit haben sich hier, ein Stück im Landesinneren am Fluss Légeur, hauptsächlich Textilhändler niedergelassen. Vor allem für seine Hutmacher war das quirlige Städtchen bekannt. Auch in der heutigen Zeit sind viele kleine Geschäfte in der Altstadt ansässig. Das erste Mal im Urlaub kommt bei mir so was wie Shoppinglust auf. An Donnerstagen, so wie heute, quillt die Innenstadt förmlich über von einkaufslustigem Volk; es ist Markttag in Lannion. Wie in der Provence ist auch in der Bretagne der Markttag ein fester Bestandteil des sozialen Lebens. Es wird palavert und gefeilscht was das Zeug hält. Hier wird kaum Klimbim angeboten. Die meisten Händler bieten Obst und Gemüse aus der Region, Wurst und Käsewaren oder frisch gekochte Köstlichkeiten an. Überall riecht es nach Brathähnchen und Butter. Uns werden Gateau  breton und der berühmte Kouign Ammann zum Probieren angeboten. Letzter erweist sich als Butterkuchen, der seinem Namen alle Ehre macht. Es trieft beim Reinbeißen. Wir kaufen natürlich gleich ein Stück und auch frisches Baguette, ein paar Oliven und Käse finden den Weg in unseren Rucksack. Wir lassen uns treiben von der Menge und genießen den sonnigen Vormittag, bis uns ein Schatten die fröhliche Stimmung verdunkelt. Ein etwas zwielichtiger Mann verfolgt uns. Die beiden Kameras, die wir um den Hals haben, scheinen Begehrlichkeiten zu wecken. Nichts wie weg hier, einmal ausgeraubt werden im Leben reicht. Im Gewühl der Menschmassen können wir ihn bald abhängen, oder er hat einfach aufgegeben, da das Überraschungsmoment vorbei war und wir ihn und seine Absicht erkannt haben. Die Stimmung ist dahin und wir verlassen Lannion in Richtung Küste. Wieder am Leuchtturm von Ploumanac'h, dem Phar de Mean Ruz, machen wir Picknick und spazieren dann weiter auf dem Zöllnerpfad Richtung Westen. Kurz nach dem kleinen Hafen von Ploumanac'h erblicken wir plötzlich die Silhouette eines Schlosses. Wie ein Märchenschloss mit vielen Türmchen liegt das Chateau de Costaérès auf einer winzigen Insel, gleich hinter dem Hafen im türkisblauen Atlantik. Was für ein unwirklicher Anblick. Noch mehr verwundert sind wir, als wir in unserem Reiseführer lesen wem dieses schmucke Anwesen gehört. Seit 1989 ist Dieter Hallervorden der stolze Eigner des Schlosses. Ja genau, unser Didi. Wer hätte das gedacht! Der Zutritt zur Schlossinsel ist Unbefugten leider untersagt und so müssen wir bei Ebbe über unzählige Felsen klettern um die bestmögliche Perspektive für das Disney-Schloss zu bekommen. Was tut man nicht alles für ein Foto.

Freitag, 07.Juni 2013

Nachdem wir den Westen der Côtes d´Armor in den letzten Tagen zur Genüge besichtigt haben, zieht es uns heute bei schönstem Wetter wieder in den Osten. Zurück zum Cap Frehel und dem Fort la Latte. Dort wollen wir auch eine 13km lange Wanderung beginnen, die uns die Gegend hier an der Côte d´Emeraude noch näher bringen soll. Zu Beginn unseres Ausfluges besichtigen wir aber zuerst die Ruinen des Forts, das exponiert hoch über dem Meer den Elementen trotzt. Die Burg diente im Mittelalter zur Befestigung des wichtigen Hafen von Saint-Malo und als Gefängnis. Teile des Forts, welches sich heute in Privatbesitz befindet, sind zu besichtigen. Wir besteigen den Turm, von dem aus man einen grandiosen Blick über die Küstenlinie links und rechts der Burg hat, spazieren durch den Kräutergarten des Forts und spähen durch die Schießscharten der Burgmauer auf den Atlantik. Die Ruine des Forts diente schon mehreren Film als Kulisse. Mit ihrer Zugbrücke, den dicken Türmen und der spektakulären Lage bietet sich die Location auch wirklich an. Inzwischen ist es fast Mittagszeit, aber wir wollen zuerst ein paar Kilometer marschieren, bevor wir zu Mittag essen. Endlich mal ein Wanderweg, der seinen Namen verdient. Bisher waren die Wege sehr breit und komfortabel, für uns schon fast langweilig. Heute zieht sich der Weg durch Wälder bergauf, bergab immer an der Küstenlinie entlang nach Osten. Wir treffen kaum Menschen, die Sonne strahlt vom Himmel und die Aussicht ist fantastisch. So macht Urlaub Spaß. Nach ca. anderthalb Stunden strammen Marschierens zweigt an einem winzigen Hafen eine kleine Straße ab, der wir ins Landesinnere folgen. Erneut schlendern wir durch kleine Ortschaften, an Gehöften vorbei und sogar ein schönes B&B liegt auf unserem Weg. Unser Wanderführer ist sehr detailliert beschrieben, da kann selbst ich mich nicht verlaufen. So treffen wir gutgelaunt wieder auf die Küste. Auch auf der Westseite des Kaps ist die Aussicht hervorragend. Die Vegetation beschränkt sich auf Ginster und Heide, dafür sind die Klippen und Buchten von magischer Schönheit. Am Kap Frehél machen wir dann endlich im Windschatten einer kleinen Mauer Picknick. Hier pfeift der Wind schon wieder gewaltig. Die Vogelfelsen, die gegenüber im Meer liegen, sind Anziehungspunkt vieler Touristen und ganzer Schulklassen. Also gemütliches Rasten sieht doch anders aus, aber wenn bei mir der Blutzuckerspiegel im Keller ist brauche ich Nahrung und zwar SOFORT, sonst wird es ungemütlich für meine Mitreisenden.  Im Dunst kann man von hier aus schon das Fort la Latte erblicken. Laut Wanderführer sind für die sieben Kilometer noch 1,5h Wandern am oberen Klippenrand angesetzt. Aber was hören meine tauben Ohren da, das klingt doch wie Donnergrollen. Und tatsächlich in Richtung Fort türmen sich langsam dunkle Wolken zusammen und die Donnerschläge werden häufiger und lauter. Jetzt aber nichts wie los. Bis zum Ziel müssen wir an der ungeschützten Kante des Kliffs entlanglaufen, keine Hütte, kein Unterstand, nichts das uns vor Blitz und Regen schützen könnte. In meiner Panik jage ich Hartmut in der Hälfte der angegebenen Zeit zum Parkplatz, da lief der Schweiß in Strömen. Na ja und das Gewitter hat sich natürlich wieder verzogen. Aber man kann ja nie wissen..... und ein bisschen Fitnesstraining schadet auch nicht, oder?

Samstag, 08. Juni 2013

 

 Heute verlassen wir die Nordküste der Bretagne und begeben uns ins Departement Finistére. Finis Terrae, das Ende der Erde,  so nannten schon die Römer den westlichsten Teil Frankreichs. Unsere nächste Behausung liegt in der Nähe von Douarnenez im Südteil des Regierungsbezirks. Den Norden können wir nur heute beim Durchqueren etwas in Augenschein nehmen, da die Entfernungen zu unserer Ferienwohnung zu groß sind für Tagesausflüge. Und so bummeln wir gemütlich an der Nordküste entlang immer nach Westen. An der Côte du Leon, zwischen Morlaix und Lannion überwiegt großteils der Badetourismus, der bei dem Wetter im Moment noch im Dornröschenschlaf liegt. Allerdings ist hier alles eine Nummer kleiner als an der bekannteren Côte du Granite rose. Mir gefällt die Gegend ganz gut. Nette Dörfer, schöne Badestrände und wenig Touristen. So tuckern wir langsam weiter, bis wir wirklich das Ende der Erde erreicht haben, den Pointe de Corsen. Hier am westlichsten Punkt des französischen Festlandes bläst uns mal wieder ein ordentlich kalter Wind um die Nase und ich flüchte bald wieder ins schützende Auto. Ein paar Kilometer weiter, in der Nähe von le Conquet, liegt auf einem Kap der kleine Weiler St. Mathieu. In unmittelbarer Nähe ist der Leuchtturm, die Abteiruine und Reste von Behausungen direkt an der schroffen Küste zu bewundern. Zusammen ergibt sich so ein recht ansehnliches Ensemble. Von le Conquet aus legen auch die Fähren zu der Ile de Quessant ab. Dieser Archipel weit draußen im Atlantik wäre sicher auch eine Reise wert gewesen. Vor allem im Herbst und Winter sind die Inseln für Stürme bekannt, die dort ungeschützt über das karge Land fegen und so dem Klischee der sturmumtosten Bretagne entsprechen. Aber nur für einen Tagesausflug ist es für uns zu weit, da wir schon eine 2-3 stündige Anfahrt zur Fähre einplanen müssten. Nach einem kleinen Mittagsimbiss fahren wir weiter Richtung Süden. Leider müssen wir auf unserer Fahrt nach Meilars mitten durch Brest. Trotz Navi wird die Fahrt durch die größte Stadt der Bretagne zum spannenden Erlebnis. Wegen zig Baustellen, die natürlich immer auf unserer geplanten Strecke liegen, kommt unser Navigationsgerät mit den neu zu berechnenden Routen kaum hinterher. Aufgrund ihrer geschützten Lage im Rade de Brest, einer tiefen Bucht des Atlantiks ins Landesinnere, war die Stadt in den beiden Weltkriegen von strategisch wichtiger Bedeutung. So diente sie nach der Besetzung Frankreichs im 2. Weltkrieg als U-Boot Hafen für die deutsche Marine. Nach dem D-Day und der Belagerung durch die Alliierten war es Brest, das von der deutschen Wehrmacht am längsten verteidigt wurde.  Wir rollen den Rest des Weges relativ problemlos zu unserer neuen Unterkunft, auch wenn das Navi die Adresse nicht kennt und wir ein bisschen suchen müssen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude eines Anwesens in dem winzigen Weiler Meilars, wurden zu einer ganz netten Ferienwohnung umgebaut. Alles in Eigenregie und nicht wirklich professionell, aber nicht ohne Charme. Verständigung mit den Vermietern ist hier überhaupt nicht möglich, da sie kein Wort Englisch verstehen, aber mit Händen und Füßen können die wichtigsten Dinge geklärt werden. Wir entladen nur noch unser Auto und dann Füße hoch und relaxen.

 

Sonntag, 09. Juni 2013

 

 Das Wetter hat umgeschlagen. Dichte Bewölkung liegt über der Gegend. Also wandern, nicht fotografieren. Wir entscheiden uns für eine Tour auf der Crozon-Halbinsel. Nach ungefähr einer Stunde Fahrt erreichen wir ganz an der Spitze der Halbinsel das Örtchen Camaret-sur-mer. Von dort sind es nur noch ein paar hundert Meter bis zum westlichsten Punkt von Crozon, dem Pointe de Pen Hir. Von dem dortigen Großparkplatz aus beginnen wir unsere Wanderung. Auf den schroffen Felsen an der Kapspitze machen sich Kletterer bereit zum Abstieg in die tosende Welt der Strudel und Brecher, die seit jeher stetig am Gestein nagen. Über dem Erbsenhaufen (einer kleinen Gruppe vor gelagerter Felsen) hängen dunkle Wolken und der Wind fegt stetig darüber hinweg. Die Atmosphäre ist bedrohlich. So karg, so ungemütlich, so dunkel. Aber es ist auch faszinierend mitten drin zu stehen und den „tobenden“ Elementen ausgesetzt zu sein. Wir haben es jedenfalls genossen um dann weiter an der Küste entlang zu marschieren. Viele alte Betonbunker und Trichter von Granateneinschlägen aus dem 2. Weltkrieg lassen die Geschichte der umkämpften Gegend wieder aufleben. Einige der Bunker sind sogar zum Museum umfunktioniert worden. Zuerst fand ich es befremdlich, die scheußlich grauen Betonteile in der wunderschönen Landschaft vor sich hingammeln zu sehen. Kann man da nicht mal aufräumen. Aber nun denke ich, dass man sie dort belassen sollte, schon allein als Mahnmal für kommende Generationen.  An einem wunderschönen Strand, den man wegen der Treibsandgefahr nicht betreten darf, führt der Wanderweg über die Pointe des Espagnols und die Pointe du Van nach Camaret sur mer. Am Rand des überschaubaren Ortes befindet sich eine Anordnung von 143 Menhiren, die Steinreihen von Lagatjar. Hier in der Bretagne stolpert man praktisch permanent über diese prähistorischen Zeichen der frühen Menschheitsgeschichte. Die Alignements de Lagatjar sind nur  ein spärlicher Rest des ursprünglichen Megalith-Feldes, das an die 800 Menhire umfasst haben soll. Wieder an der Küste lädt ein langgezogener Sandstrand zum Verweilen ein. Wir picknicken am Strand und beobachten eine Gruppe Bretonen, die sich zum ersten Mal mit Standpaddeln versuchen. Mit Surfboards und Paddel bewaffnet stürzen sich etliche junge Kerle in die kalten Fluten des Atlantik. Das mit dem Gleichgewicht auf dem Board ist aber anscheinend nicht so einfach. Da geht der Eine oder Andere schon mal eine Runde baden. Zum Zugucken ist es jedenfalls sehr amüsant. In einem kleinen Bistro in der Nähe gönnen wir uns noch ein Gläschen Wein, bzw. ein Tässchen Kaffee, bevor wir nach 4h Wandern unseren Ausgangspunkt am Pointe de Pen Hir erreichen

 

Montag, 10. Juni 2013

 

 Wieder das gleiche Bild wie gestern. Grauer Himmel, Temperaturen um die 17°C, permanent Regenschauer möglich. Diesmal entscheiden wir uns für Stadtbesichtigungen. Da gibt es sehr viele Details zu fotografieren und ein schützendes Dach von einem der vielen lauschigen Bistros ist auch immer in der Nähe. Beginnen werden wir in Locronan. Das mittelalterliche Dorf hat seinen Namen vom Heiligen Ronan, einem irischen Mönch, der hier in der Abgeschiedenheit der bretonischen Wälder als Eremit in der Einsiedelei gelebt haben soll und heute auf dem Friedhof von Locronan begraben liegt. Im Mittelalter lebte das Dorf hauptsächlich von der Herstellung von Tuchwaren, speziell Segeltuch aus Locronan war sehr gefragt. Heute haben sich hier hauptsächlich Maler, Töpfer, Glasbläser und andere Künstler niedergelassen und bieten ihre Waren den zahllosen Touristen feil, die jährlich in das Dorf einfallen. Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle geworden. Das ist aber auch kein Wunder. Das graubraune Granitstädtchen ist ein mittelalterliches Schmuckstück. Kein Betonneubau verdirbt den Anblick, nur autofreie, kopfsteingepflasterte Gassen leiten den geschätzten Besucher durch das Dorf. So musste der Marktplatz mit seinem Brunnen, dem Kirchturm und den schönen Häuserensembles schon oft als Filmkulisse für Mantel- und Degenfilme herhalten. Wir schlendern durch die netten Gassen, sehen uns die Werke der einzelnen Künstler an und  erstehen ein paar Souvenirs. Unter anderem bretonisches Bier. Hier in Locronan gibt es einen Laden mit mehreren hundert verschiedenen Sorten Bier. Schon allein die unterschiedlichen und originellen Flaschenetiketten sind einen Besuch wert. Danach fahren wir ein paar Kilometer weiter in die Hauptstadt des Departement Finistere, nach Quimper. Wie der bretonische Name Kemper(=Zusammenfluss) schon sagt, liegt die Stadt an der Vereinigung der beiden Flüsse Odet und Steir, ca. 15 km von der Küste entfernt. Quimper zählt mit knapp 65.000 Einwohnern zu den größeren Städten der Bretagne. Die hübsche Altstadt mit den typischen Fachwerkhäusern ist relativ klein und übersichtlich. Wegen der beiden Flüsse schmücken viele mit Blumen verzierte Brücken das Stadtbild rund um die prachtvolle Kathedrale. Bekannt ist die Stadt für das Fayence-Kunsthandwerk. Das sind Porzellangegenstände, wie Teller oder Figuren, die mit folkloristischen Motiven bemalt sind.  Aber wir sind nicht wegen des Nippes hier, oder den anderen geschmackvollen Boutiquen und Geschäften, sondern aus kulinarischen Gründen. Unsere beiden Reiseführen legen uns eine sehr alte Creperie am Place du Beurre, dem Butterplatz, ans Herz. Es dauert etwas, bis wir trotz Stadtplan den winzigen Platz im Herzen der Stadt gefunden haben. Er macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Ein Butterduft liegt über der Gegend, dass uns gleich das Wasser im Mund zusammenläuft. In der beschriebenen Creperie ist ganz schön was los, aber wir haben Glück und ergattern noch einen freien Tisch auf dem lauschigen Plätzchen. Und dann kommen sie auch schon, die wohl besten Galettes des Urlaubs. Für mich mit Ziegenkäse und Tomaten. Hartmut wählt die leichte Variante mit Schinken, Käse, Champignons und Rahm. Und weil es so lecker war, rutschen die süßen Crepes als Nachspeise auch noch runter, natürlich mit viel Sahne und Eiscreme. Köstlich, allein schon deswegen hat sich der Ausflug nach Quimper gelohnt.

Dienstag, 11. Juni 2013

 

 

 

Ich glaube heute bleiben wir mal zur Abwechslung zuhause. Der erste Regentag des Urlaubs scheint uns bevorzustehen, zumindest regnet es am Morgen recht stark und die Wettervorhersage macht uns keine große Hoffnung auf Besserung. Aber wie üblich ist nach fast 2 Wochen Sightseeing bei uns schon Müdigkeit eingekehrt und wir beschließen einen Ruhetag einzulegen. So frühstücken wir gemütlich am späten Vormittag. Wir haben in Meilars eine Satellitenschüssel auf dem Dach und können zumindest ein paar deutsche Sender empfangen. Also sehen wir uns die Nachrichten über die Hochwassersituation in Bayern und Sachsen an. Hartmut kümmert sich um sein Fotoequipment und ich versinke in meinem Buch. Am Nachmittag hört der Regen dann auf und ich siege endlich über meinen inneren Schweinehund. Nach der gestrigen Völlerei meldet sich das schlechte Gewissen und die Laufschuhe bekommen ihren ersten Einsatz. Die Gegend hier ist durchzogen von kleinen, wenig befahrenen Straßen und ideal um ein bisschen zu laufen. So trabe ich eine knappe Stunde über hügeliges Terrain. Wieder zurück in der Ferienwohnung nutze ich die Gelegenheit ein paar Sachen in die Waschmaschine zu stecken und nachher im Tumbler zu trocknen. Wir fahren noch schnell zum nächsten Supermarkt um die Vorräte aufzufüllen und wollen es uns dann wieder gemütlich machen. Leider hat die provisorische Lüftung des Trockner die gesamte feuchte Luft in die Toilette geblasen anstatt nach außen. Es herrscht also im wahrsten Sinne dicke Luft im Klo. Also ran an die Putzlappen und die Sauerei wegwischen, also nichts ist es mit gemütlich auf die Couch legen. Gott sei dank ist es nur Wasser. So neigt sich dann der Tag dem Ende entgegen und wir hoffen ganz stark auf Wetterbesserung für die nächsten Tage. Ein bisschen Sonnenschein wäre schon schön.

 

Mittwoch, 12. Juni 2013

 

 Schon wieder Regen. Heute lassen wir uns aber nicht abhalten, wieder auf Achse zu gehen. Auf dem Plan steht der südliche Teil des Finistere, das Pays Bigouden. Bigouden sind die traditionellen, bretonischen Spitzenhäubchen, die die Frauen der Bretagne noch heute an hohen Feiertagen zur ihren Trachten tragen. Zwischen der Bucht von Audierne und Pont l´Abbe erstreckt sich der kleine Landstrich, der vor allem vom Fischfang lebt. Der Tourismus ist hier nur Nebensache, ein paar kleine Badeorte für Surfer und Angler, ansonsten geht es hier eher gemächlich zu. Wir beginnen unsere Wanderung an der Westküste bei einer archäologischen Ausgrabung. Überall in der Bretagne kann man Reste vorchristlicher Besiedlung entdecken. Hier handelt es sich um einen Dolmen, einem Steintisch, der vermutlich als Grabstätte diente. Das dazugehörige Museum hat in dieser Jahreszeit aber noch geschlossen und so spazieren wir langsam bei Nebel, Regen und Sturm an der Küste entlang. Es herrscht bei dem Wetter eine ganz spezielle Stimmung, sehr beeindruckend. Wir lassen uns weiter treiben durch das Land der Bigouden. Kurz nach dem Pointe de la Torche, einem 25 km langen Kiesstreifen, der bei Surfern sehr beliebt ist, treffen wir auf eine der vielen Kirchen, Notre-Dame-de-Tronoen. Die Kirche selber gibt nicht viel her, aber im Vorhof steht einer der ältesten Calvaires der Bretagne. Vergleichen kann man die Calvaires mit unseren Kalvarienbergen, einer Nachbildung der Hinrichtungsstelle Jesu. Hier in Frankreich, speziell im Norden, wird die Kreuzigung durch einen umfriedeten Pfarrhof mit reichverzierten Figuren, in Stein gemeißelt, nachgestellt. Dieser hier ist über 500 Jahre alt und die Figuren durch Verwitterung und Salz kaum noch zu erkennen. Außerdem sind wir beide nicht allzu bibelfest, so dass wir die Szenen auch bei besseren Verhältnissen nicht zuordnen könnten. Über die fotogene Ruine der Chapelle du Languidou erreichen wir so gegen Mittag den unscheinbaren Ort Penmarc´h.  Als einzige Sehenswürdigkeit des Ortes steht der gemauerte Phare d´Eckmühl an der Südspitze des Finistere. Mit seinen 65 m Höhe ist er einer höchsten Leuchttürme Frankreichs. Ich hätte ihn auch ganz gerne bestiegen, aber mein Mann war wegen der schlechten Sicht nicht zu überreden, sich die vielen Stufen nach oben zu quälen. Die fehlende Sonne hat ihren Zenit schon wieder überschritten und langsam meldet sich der Hunger wieder. In Penmarc´h sagt uns jetzt nichts so recht zu und so fahren wir ein Stück weiter nach Guilvenic. Der übersichtliche Ort ist einer der wichtigsten Fischumschlagsplätze der südlichen Bretagne. Kein romantischer Hafen mit kleinen Fischerbooten, hier zeugt alles von harter Arbeit. Am späten Nachmittag kommen die vielen Fischtrawler in den großen Hafen und löschen die Ladung. In der Fischhalle kann man auch als Tourist dem Ersteigern der Fische durch Restaurantbesitzer oder Großhändler zusehen. Es herrscht emsiges Treiben. Dann setzt langsam wieder Regen ein und über Pont l´ Abbe fahren wir zurück in unser Häuschen. Wir müssen schon wieder die Heizung anstellen, da uns 15°C einfach zu ungemütlich ist.

 


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