Ostsee Herbst 2009

Schloss Schwerin
Schloss Schwerin

Samstag 19.09.09

Schwerin

Frühmorgens um 3.30 Uhr klingelt der Wecker. Noch etwas betröppelt versorgen wir die Katzen und fahren so gegen 4.00 Uhr morgens los. Über die A9 via Nürnberg/Berlin führt unsere Reise erst mal in die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, nach Schwerin.

Durch den frühen Start erleben wir teilweise wundervolle Landschaften wie z.B. das Fichtelgebirge im Sonnenaufgang, den Thüringer Wald oder das Havelland. Im Morgennebel tauchen Windräderparks auf und Kraniche picken auf den abgeernteten Feldern die letzten Körner auf. Selbst auf der Autobahn kann man feststellen: Deutschland ist schön.

Gegen Mittag erreichen wir nun Schwerin. In diesem Jahr findet die BUGA hier statt und dementsprechend groß ist der Andrang. Nach längerer Suche ergattern wir etwas abseits gelegen einen Parkplatz und machen uns zu Fuß auf in die Altstadt. Die Nikolaikirche , der Marktplatz, überall schön renovierte Häuser. Die Hauptattraktion ist und bleibt aber das Schweriner Schloss. Der Sitz des Mecklenburg´schen Landtags liegt sehr schön gelegen am Rande des Schweriner Sees. Umgeben von einem Schlossgarten, der im Moment Teil der BUGA ist, thront der sandsteinfarbene Prachtbau in der Nachmittagssonne. Der Burggarten ist auch ohne Eintrittskarte frei zugänglich und wir schlendern durch die romantische Anlage.

Am Nachmittag fahren wir dann weiter zu unserer Pension in einem weniger ansehnlichen Vorort von Schwerin. Die Pension ist sauber, einfach und billig. Abends geht es noch mal in die Stadt zum Essen.

 

Bundesgartenschau
Bundesgartenschau

Sonntag 20.09.09

Schwerin

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der BUGA. Mit der Straßenbahn gelangen wir ganz bequem bis zum Haupteingang und zu der frühen Stunde ist der Besucherstrom noch überschaubar. Der streng symmetrisch angelegte Schlosspark wird durch alte und neue Gras,-und Blumenanpflanzungen aufgelockert. Herzstück und Augenmagnet bleibt aber weiterhin das Schloss, welches wir ca. 100 Mal von allen Seiten fotografieren. Eine schwimmende Brücke, Segelregatten und viele Vorträge ziehen die Besucher an. Das strahlende Wetter tut sein übriges dazu und ab Mittag wird die Anlage doch sehr voll. Aber in dem weitläufigen Areal findet sich immer ein ruhiges Plätzchen zum ausruhen und Verweilen. Trotz der späten Jahreszeit gibt es immer noch sehr viele blühende Arten zu bestaunen, anders als vor ein paar Jahren in München, dessen BUGA so gar nicht nach meinem Geschmack war.

 Am Nachmittag verlassen wir das Gelände und lassen uns an diesem wunderbaren Sommertag noch einen Eisbecher in einem Altstadt Cafe schmecken. Hier sitzen und die Leute beobachten, fast schon typisch italienisches „ la dolce vita“.

Marltplatz in Wismar
Marltplatz in Wismar

Montag 21.09.09

Ahrenshoop

Nach wiederum sehr spartanischem Frühstück machen wir uns bei Frühnebel auf nach Wismar. Die alte Hansestadt liegt direkt auf unserem Weg an die Ostseeküste. Pünktlich bei unserem Eintreffen am  Parkplatz in Wismar schafft es die Sonne durch die Wolken und wir gehen erneut auf Stadtbesichtigung. Der riesige Marktplatz mit dem Wasserkunstbrunnen ist Dreh- und Angelpunkt der übersichtlichen Stadt. Alte, teilweise stark beschädigte Backsteinkirchen, der alte Hafen, das schiefe  Gewölbe und die Schweinsbrücke sind alles sehr fotogene Bauwerke.

Am Hafen, direkt vom Kutter erstehen wir ein paar Räucherfischbrötchen und ab damit auf die Poeler Halbinsel zum Picknick. Gemütlich liegt das kleine Dörfchen direkt am Strand. Die Badesaison ist vorbei und wir finden ein nettes Plätzchen für unseren Lunch.

Bevor wir weiter nach Ahrenshoop fahren, wollen wir dem berühmten Heiligendamm mit seinem  Kempinski Hotel einen Besuch abstatten. Wer dort nicht absteigt kann den Ort getrost links liegen lassen. Das Hotel ist gut abgeschirmt und der Rest des Orts eher eine Ruine.

Wir fahren weiter nach Fischland-Darß. Hier in Ahrenshoop, einer alten Künstlerkolonie, reihen sich Reetdachhäuschen an Reetdachhäuschen und es herrscht trotz Nachsaison noch reger Tourismus. Unser Hotel „ Der Fischländer“ ist eines der besten Häuser im Ort. Nach Bezug unseres Zimmers machen wir noch einen kleinen Spaziergang am schier endlosen Sandstrand mit kitschigem Sonnenuntergang, bevor wir uns ein feudales Vier Gänge Menü servieren lassen.

Dienstag 22.09.09

Ahrenshoop

Was für ein Frühstücksbuffet. Vollgefuttert marschieren wir zum nächsten Fahrradverleih und mieten uns gleich für die nächsten drei Tage ein Fahrrad. Schon auf der Anreise konnten wir feststellen, dass die Küstenregion ein wahres Eldorado für Radfahrer ist. Das Radwegnetz ist riesengroß und die Strecken so herrlich flach.

Ausgestattet mit einfachen Dreigangrädern ( völlig ausreichend ) radeln wir sofort los. Ziel der heutigen Tour ist der „Darßer Ort“ mit seinem Leuchtturm und dem Natureum, eine Außenstelle des Meeresmuseums in Stralsund. Erst am Deich entlang, dann durch den naturbelassenen Küstenwald führt der Weg ca. 10 km bis zur äußersten Spitze der ständig wachsenden Landspitze. In früheren Zeiten bestand der Darß aus mehreren kleinen Inseln die durch Sandanschwemmung zu einer schmalen Landzunge gewachsen sind Dahinter gibt es noch große Brackwasserseen, die sogenannten Bodden. Hier verkehren regelmäßig Rundfahrten mit Dampfern oder schönen alten Segelbooten, den Zeesbooten.

Am Leuchtturm angekommen laufen wir erst einen ca.4km langen Plankenweg in das „neue Land“. Über Salzwiesen und durch Kiefernwäldchen erreichen wir einen Aussichtspunkt, an dem man Seevögel oder auch Rotwild beobachten kann. Zurück geht es bei inzwischen schneidendem Wind und Regen am Strand zurück zum Museum. Nach dessen Besuch ( das Wetter hat sich inzwischen wieder beruhigt) radeln wir weiter nach Prerow. Bekannt durch seine schön bemalten Holztüren ist Prerow eine große Ferienhaussiedlung und damit stark in touristischer Hand. Dem Charme des Ortes tat das aber keinen Abbruch. Nette reetgedeckte Häuschen, hübsche Cafes oder Teestuben (nicht nur unser Tipp: die Teeschale) prägen das Ortsbild.

Zurück durch den Darßer Wald erwartet uns wieder ein brilliantes Abendessen.

 

Buhne am Westrand von Ahrenshoop
Buhne am Westrand von Ahrenshoop

Mittwoch 23.09.09

Ahrenshoop

Radltour die Zweite. Erneut schwingen wir uns nach dem Frühstück in die Sättel. Das Wetter sieht zunächst gar nicht so gut aus. Dicke schwarze Wolken hängen über der See und am Horizont sieht man die Regenschauer schon fallen. Aber wir sind ja topp ausgestattet und solange es nicht den ganzen Tag Sturzbäche regnet, wollen wir uns nicht abhalten lassen.

Erster Stopp für heute: Der Hafen von Ahrenshoop, Althagen. Idyllisch auf der Boddenseite der Halbinsel gelegen, erwartet uns ein winziger Hafen mit schönen alten Zeesbooten, auf denen Touristen im Normalfall auf einen kleinen Segeltörn mitgenommen werden. Leider ist der Wind heute auch für norddeutsche Gemüter ziemlich stramm, und so bleiben die schönen Holzboote im Hafen. Schade. So geht es mit dem Drahtesel weiter die Boddenküste entlang bis zu den beiden kleinen Weilern Born und Wiek. Beide Dörfer sind sehr beschaulich gelegen und haben bis auf die vielen Ferienhäuser ( sehr hübsche ) keine besondere touristische Infrastruktur. Weiter, immer den Bodden entlang bei teils stürmischem Gegenwind erreichen wir nach ca. 15 km wieder Prerow. Schön langsam wird das Wetter besser und wir entscheiden uns dafür noch bis Zingst auf dem Deich entlang zu radeln. Zingst zeigt als erster Ort auf dem Darß so eine Art Bäderkultur mit großen Hotels, einer Fußgängerzone mit Souvenirläden und unzähligen Restaurants. Für meine Begriffe zu viel Trubel um wirklich gemütlich zu sein. Die Heimfahrt kürzen wir ein wenig ab und fahren gemütlich mit dem Dampfer von Prerow über den Bodden nach Born. Allerdings müssen wir noch 10km bei heftigstem Gegenwind nach Ahrenshoop zurück strampeln. Ein wirklich schweißtreibendes Unterfangen. Das Abendessen mussten wir uns heute wirklich verdienen.

 

Auf dem hohen Ufer
Auf dem hohen Ufer

Donnerstag 24.09.09

Ahrenshoop

Wieder ein Tag auf dem Rad. Heute radeln wir in westliche Richtung an der Ostsee entlang.

Auf dem Deich mit seinen Sanddornhecken, die in voller Frucht stehen, durch verwunschenen Küstenwald mit seinem farnbedeckten Boden und durch schöne alte Buchenwälder mit nicht scheuen Rehkitzen, führt uns die heutige Tour.

Am hohen Ufer zwischen Ahrenshoop und Wustrow machen wir einen Abstecher an den Strand und suchen wie alle anderen auch nach „Schätzen“ im Strandgut. Hühnergötter, Bernstein oder andere hübsche Steine, die Schatzsuche zieht magisch an. In Dierhagen halten wir zum Lunch( natürlich Krabbenbrötchen) und bei der Heimfahrt erwischt uns dann doch noch ein kleiner Schauer und wir flüchten schnell in die Buhne 12, dem Cafe mit der wohl schönsten Aussicht auf dem Darß. Bei Sanddorntorte und Milchkaffee genießen wir den weiten Blick über die Ostsee, bevor wir schweren Herzens unsere Räder wieder abgeben. Ganz fest eingeplant war auch ein Ausflug zur Kranichbeobachtung in der Dämmerung. Im September und Oktober legen die großen Schreitvögel zu Tausenden eine Pause auf ihrem Zug nach Süden ein. Besonders die Boddeninsel „Große Kirr“ und die flachen Gewässer vor Pramort sind jedes Jahr Schauplatz dieses Spektakels. Es werden allerorts Kranich-beobachtungsfahrten angeboten, die ca. 2-4h dauern. Leider sind wir durch unsere Halbpension an feste Essenszeiten gebunden und so müssen wir den Ausflug auf ein anderes Mal verschieben. Aber es geht auch ohne Kraniche:

 Drei wunderschöne Tage in Fischland-Darß liegen hinter uns und wir sind sicher: Wir kommen wieder

Binz
Binz

Freitag 25.09.09

Binz

Nach drei Tagen Pause muss unser Auto heute mal wieder ran. Wir verlassen den Fischländer und fahren weiter nach Osten auf Deutschlands größte Insel: Rügen. Über die neu eröffnete Brücke bei Stralsund erreichen wir gegen Mittag das Eiland.  Die Sonne hat heute kein Einsehen und es pfeift ein kalter Wind. So wird der Halt in Altefähr nur ein kurzer Fotostopp für die Skyline Stralsunds und bald sitzen wir wieder im warmen Auto. Über die deutsche Alleenstraße erreichen wir so gegen Mittag Putbus.  Das frühere Fürstenstädtchen mit Schloss zeigt heute nur noch ansatzweise seinen ehemaligen Glanz. Das Schloss wurde in der 60er Jahren aus „Propagandagründen“  gesprengt, einzig der großzügig angelegte Schlosspark mit viel altem Baumbestand ist noch vorhanden. Auf dem Circus, dem zentral gelegenen runden Platz mit Obelisk und neoklassizistischer Architektur wurden schon einige der Bauten renoviert. Auch das Putbuser Theater hat weit über Rügen hinaus einen hervorragenden Ruf. Nichtsdestotrotz erschüttert mich der Verfall des Ortes ein wenig. Wie kann man in nur 40 Jahren die Bauwerke so verkommen lassen oder gar sprengen?

Im Hafen von Putbus, Lauterbach, schlendern wir ein bisschen die Mole entlang ( mit Fischbrötchen), bevor wir nach Binz, zu unserer nächsten Bleibe weiterfahren.

Unsere Pension, Haus Colmsee, liegt direkt am Strand in erster Reihe und hat herrlich große Zimmer.

Ich bin heute leicht angeschlagen und so fällt das Diner eher mau aus. Pizza in der Fußgängerzone. Nicht so der Hit. Hoffentlich gibt es keine Erkältung

Jagdschloss Granitz
Jagdschloss Granitz

Samstag 26.09.09

Binz

Erster Wandertag des Urlaubes. Wir laufen von Binz durch die Granitz nach Sellin.

Auf dem höchsten Punkt der Granitz, satte 107m!!! hoch, thront das gleichnamige Jagdschloss eines Putbuser Fürsten. Der neoklassizistische Bau mit seinen Türmen bietet eine wunderbare Aussicht auf den umliegenden Buchenwald und den Südosten Rügens. Im Inneren des Schlosses kann man die verschiedenen Jagdtrophäen „bewundern“. Na ja, wer es mag. Für meine Begriffe ein bißchen viel totes Tier.

Wirklich sehenswert dagegen ist die Wendeltreppe, die in einen der Türme führt. Immer an der Turmwand entlang, schlängelt sich die offene Metalltreppe nach oben. Nichts für Leute mit Höhenangst. Aber die Aussicht ist grandios.

Wieder unter wandern wir nun 2-3 h durch lichten Buchenwald auf gut markierten Wander-bzw. Radwegen. Jetzt im September ist anscheinend gerade Pilzzeit. Einige Pilzsucher kommen uns mit Einkaufskörben!!!! voller Steinpilze entgegen. Da wünscht man sich doch glatt eines der vielen Appartements, um seinen Fund dann auch zu verköstigen. Da wir keine Kochmöglichkeit besitzen lassen wir die Schwammerl stehen und traben weiter bis zum nächsten Badeort, Sellin. Highlight, und auch einzige Sehenswürdigkeit des Ortes ist die neu renovierte Seebrücke. Die „Himmelsleiter“ führt in 99 Stufen an den Strand und auf die Seebrücke, an deren Ende sich sogar eine Tauchglocke befindet mit der man die Unterwasserwelt der Ostsee beobachten kann. Als richtige Taucher ist so ein Einblick für uns eher uninteressant und so machen wir in einem Strandkorb Mittagspause. Na klar wieder mal mit einem Fischbrötchen. Zurück nach Binz verläuft der Weg jetzt immer am Steilufer der Küste entlang mit sehr vielen malerischen Ausblicken. Am späten Nachmittag sind wir ziemlich kaputt wieder in der Pension.

Diesen Abend gibt es lecker mexikanische Küche.

Das Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker
Das Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker

Sonntag 27.09.09

Binz

Die Sonne lacht heute von einem strahlend blauen Himmel. Das Wetter ist prädestiniert für Outdoor Aktivitäten. Bei uns steht heute die Erkundung der Südostspitze Rügens an, die Halbinsel „Mönchgut“. Wir wählen für unsere Entdeckungstour mal wieder den Drahtesel, so können wir die Landschaft in Ruhe auf uns wirken lassen, aber gleichzeitig legen wir doch einige Kilometer zurück. Starten werden wir aber mit dem „rasenden Roland“. Die kleine Schmalspurbahn ist der kleine Rest der Rügener Kleinbahnen. Seit der Renovierung vor fast 15 Jahren verbindet die alte Dampfeisenbahn das Städtchen Putbus im Stundentakt mit den Seebädern Binz, Sellin und Göhren. Nicht nur für Eisenbahn Nostalgiker ist die Fahrt mit dem Roland ein Erlebnis. In atemberaubender Geschwindigkeit von 30 km/h „rast“ die Bahn durch die Landschaft. Für die 15km von Binz bis Göhren braucht der Zug 45 Minuten. Aber wir sind ja im Urlaub und Geschwindigkeit ist nicht alles.

Angekommen im netten Bäderort Göhren mieten wir uns wieder ein Bike und radeln los. Den langen Oststrand entlang bis zum Südperd bei Thiessow. Von dort entlang auf die Zicker´sche Halbinsel in den kleinen Weiler Klein Zicker. Romantische kleine Häuschen, eine schöne Küste und im Hintergrund die Zickerschen Berge. Wunderhübsch. Über einen Damm gelangen wir anschließend nach Groß Zicker. Wie der Name schon sagt etwas größer als sein Namensvetter, aber nicht weniger sehenswert. Mit dem Pfarrwitwenhaus besitzt der Ort auch das meist fotografierteste Haus Rügens. Im Gasthaus Boddenblick machen wir Rast um einem Reisebus mit Touris, der uns seit Klein Zicker verfolgt, zu entkommen ( und natürlich zum Fischbrötchen essen). Nach einer Runde durch das fotogene Dorf besteigen wir erneut die Fahrräder und radeln gemütlich am Bodden nach Göhren zurück. Mit der letzten Bahn fahren wir zurück nach Binz. Das weiche Abendlicht taucht die Landschaft in eine mystische Stimmung, und wir genießen die letzten Strahlen der Sonne als krönenden Abschluss eines perfekten Tages. Zum Abendessen haben wir diesmal thailändische Küche ausgesucht.

Stralsund im Regen
Stralsund im Regen

Montag 28.09.09

Binz

Kaum zu glauben aber wahr. Wie vom Wetterdienst vorhergesagt, hat das Wetter über Nacht gewechselt und es herrscht dichte Bewölkung und kalter Wind. Wir entscheiden uns daher zu einer Stadtbesichtigung. In einer Stunde Fahrzeit bewältigen wir die 50 km Strecke nach Stralsund. Die alte Hansestadt besticht mit prächtiger Backsteingotik, schöner Altstadt mit wohl schönstem Rathaus der Ostsee und nicht zu vergessen einigen sehr interessanten Museen. Wir beginnen mit der Marienkirche, einem burgähnlichen Gotteshaus in Backstein.

Ich erklimme sogleich den 90m hohen Glockenturm ( ich weiß nicht wie viel Wendeltreppenmeter ich in der letzten Woche schon hinter mir habe) von wo sich mir wieder ein toller Ausblick über die Stadt bietet. Zurück am Boden schlendern wir über die Shoppingmeile auf den Alten Markt, mit der Nikolai Kirche und dem Rathausgiebel als Blickfang. In der Kirche des ehemaligen Katharinenkloster befindet sich heute ein oft besuchtes Museum Norddeutschlands: Das Meeresmuseum. Auf drei Ebenen kann man sich über die Geschichte der Fischerei oder Fauna, Flora und Geologie des Meeres informieren.

Mit dem praktischen Kombiticket kann man auch, wenn noch Zeit ist, das nagelneue Ozeaneum direkt am Hafen besuchen. Im futuristischen Design nimmt es den Besucher mit auf eine Reise in die nördlichen Meere. Höhepunkt ist die Ausstellung „Riesen der Meere 1:1“.Mit Walmodellen in Echtgröße kann man die Dimensionen der wunderbaren Säugetiere in der eigens dafür angelegten Halle erahnen. Traumhaft.

Nach soviel Wissenschaft belohnen wir uns abends noch mit leckerem Fischessen in sehr schöner Atmosphäre in der Strandhalle in Binz. Sehr empfehlenswert, aber unbedingt vorher reservieren.

Leuchtturm "Dornbusch" auf  Hiddensee
Leuchtturm "Dornbusch" auf Hiddensee

Dienstag 29.09.09

Binz

Beim Blick aus dem Fenster ist unsere Euphorie für´s erste gebremst. Erneut dicke Wolken, Nieselregen und Wind. Die Wettervorhersage ist aber gar nicht so übel. So entschließen wir uns, einmal quer über die Insel zu fahren um in Scharpode die Fähre nach Hiddensee zu besteigen. Dort am Hafen spricht uns ein privater Bootsführer eines Wassertaxis an und macht ein verlockendes Angebot. Nur 15 min. Transferzeit nach Hiddensee bei nur 1-2 Euro Aufschlag zur Fähre. Da schlagen wir doch gleich zu und schwupp di wupp sind wir auch schon in Kloster. Inzwischen hat sich die Sonne durchgesetzt und wir können losstiefeln. Da wir Hiddensee nur als Tagesausflug besuchen und nicht wie eigentlich geplant für 2 Tage, haben wir uns für den Wanderklassiker auf der kleinen Insel entschieden, eine Tour zum nördlichen Ende des Eilandes mit dem berühmten Leuchtturm auf dem Dornbusch.

Außer dem kleinen Inselbus ist Hiddensee autofrei. Nur Radfahrer, Pferdekutschen oder manchmal ein Traktor sind hier auf den Straßen unterwegs. Diese Ruhe macht auch den Charme der kleinen Insel aus. Stress und Hektik haben keine Chance. Durch das Vogelschutzgebiet Altbessin führt unser Weg, vorbei an Viehherden, ein Stück am Strand entlang und durch farbenfrohes Sanddorngehölz. Der Leuchtturm befindet sich an der höchsten Erhebung Hiddensees, auf dem Bakenberg und ist wahrlich ein dankbares Fotomotiv. Nach einem kurzen Abstecher vom Steilufer an den Strand, kehren wir nach Kloster zurück um noch ein paar Mitbringsel zu erstehen. Mit dem Wassertaxi fahren wir in der Abendsonne zurück nach Scharpode. Wieder geht ein perfekter Tag zu Ende.

Heute gibt‘s einheimisches Essen beim „alten Braumeister“, deftig und gut, und dazu  ein schönes Störtebeker Schwarzbier.

 

Königstuhl im Jasmund National-Park
Königstuhl im Jasmund National-Park

Mittwoch 30.09.09

Lohme

Erneut Quartierwechsel. Bevor wir aber zum Panorama Hotel in Lohme weiterfahren steht für heute das Highlight jeder Rügenreise auf dem Programm, der Jasmund Nationalpark mit seinen viel gerühmten und gemalten Kreidefelsen. Von Sassnitz bis Lohme erstreckt sich auf einem Höhenrücken ein großer naturbelassener Buchenwald, der auf der Ostseite von einer beeindruckenden Steilküste abgeschlossen wird. Größter Anziehungspunkt der Stubnitz ist die Stubbenkammer mit dem Nationalpark-Zentrum und dem wohl größten Kreidefelsen, dem „Königsstuhl“. Vom Großparkplatz in Hagen läuft man 3km auf einem breiten Wanderweg, der durch mehrere Stationen mit Schautafeln aufgelockert wird. Für Fußkranke startet vom Parkplatz auch ein Shuttlebus. Am Ende des Weges befindet sich das Nationalpark-Zentrum. Der Steiluferweg Richtung Sassnitz ist gebührenfrei. Wer den Königstuhl besuchen will muss Eintritt zahlen. Im Preis inbegriffen ist auch die erstaunlich interessante Ausstellung über die Entstehung und die Biologie des Nationalparks. Gut gestaltet mit verschiedenen Audioguides (auch eine Kinderversion). Nach ca. einer Stunde in der Ausstellung und anschließendem Fotostopp am Königstuhl machen wir uns auf den Weg nach unten. Über eine sehr stabil angelegte Holztreppe gelangen wir in vielen, vielen Stufen an den Strand. Erst hier unten kann man die Dimensionen der sich ständig verändernden Küste erleben. Wir schlendern am Strand entlang, genießen die Sonne und ich finde sogar einen winzigen Hühnergott. Das ist kein totes Geflügel oder ähnlich schauriges, sondern ein Stein, meist ein Feuerstein,  der ein natürlich entstandenes Loch aufweist und angeblich Glück bringen soll. Wieder die vielen, vielen Stufen nach oben schnaufend, wandern wir entlang der Steilküste über die „Viktoriasicht“ Richtung Sassnitz. Immer wieder gibt es Aussichtspunkte und der bunt gefärbte Herbstwald erzeugt einen schönen Kontrast zum türkisblauen Meer und dem strahlenden Himmel. Nach ca. 2h erreichen wir wieder den Parkplatz und fahren weiter nach Lohme ins Panorama Hotel. Das schon lange dort ansässige Hotel ist neben seiner spektakulären Aussicht auch wegen seiner Küche weithin bekannt. Und auch wir können dies nur bestätigen. Exzellente Küche und netter Service.

 

Kap Arkona
Kap Arkona

Donnerstag 01.10.09

Lohme

Sturmwarnung über Norddeutschland. Im Moment haben wir noch Glück und es trifft gerade die Nordseeküste, aber im Laufe des Tages soll das Sturmtief auch Rügen erreichen.

Vormittags bläst zwar ein strenges Lüftchen, aber die Sonne scheint und so geht es wieder auf Achse. Wir fahren nur ein paar Kilometer durch den Inselnorden und erreichen bald Putgarten. Der kleine Ort an der Nordspitze der Insel besteht hauptsächlich aus einem riesigen Parkplatz von dem aus man entweder wieder zu Fuß oder mit einer kleine Elektrobahn den autofreien nördlichsten Punkt Rügens erreichen kann, Kap Arkona.

Wir wandern natürlich und versuchen die Zeit zwischen den Busladungen von Touristen zu nutzen, um die ruhige Atmosphäre des kleinen Fischerdorf Vitt auch genießen zu können. Frisch aus dem Räucherofen versorgen wir uns noch mit Fisch bevor wir den viel begangenen Weg ans Kap einschlagen. Drei mächtige Leuchttürme prägen die Silhouette und inzwischen pfeift der Wind schon recht ordentlich. Am Strand entlang stemmen wir uns gegen die Windböen, eine wirklich atemberaubende Stimmung baut sich auf. Dunkle Wolkenfetzen jagen über den Horizont, die schäumende See bricht sich an verfallenen Betonbunkern und das Kreischen der Möwen übertönt sogar noch das Rollen des Meeres. Gigantisch.

Zurück im Ort erwischt uns dann doch noch ein ordentlicher Regenguss und wir springen schnell in die Bimmelbahn um den Parkplatz zu erreichen. Im Rügenhof wärmen wir uns noch etwas im wirklich netten Cafe auf bevor wir nach Lohme zurückkehren.


Kap Arkona von Lohme gesehen
Kap Arkona von Lohme gesehen

Freitag 02.10.09

Lohme

Trostloses Wetter. Sturm, dicke Wolken und fast arktische Temperaturen erwarten uns heute.

Wie geschaffen für einen Besuch des wohl bizarrsten Gebäude Rügens, dem Koloss von Prora. Geplant und gebaut im Nazideutschland als große Ferienanlage für die Arbeiterorganisation  „ Kraft durch Freude“. Der Lauf der Geschichte hat gezeigt, dass man sich zur Zeit der geplanten Fertigstellung der Siedlung keine Gedanken mehr an Urlaub und Vergnügen zu machen hatte, sondern schlichtweg ums nackte Überleben. So wurde dieses Monstrum niemals ganz vollendet. Zu DDR Zeiten dienten die teilweisen Ruinen als NVA Kaserne und Erholungsheim für Soldaten.

Man kann sich die Dimensionen dieses „Seebad“ kaum vorstellen. Mehr als 5km lang ziehen sich die grauen Ruinen an einem der schönsten Strände Rügens, auf der schmalen Heide, entlang. Nur ein niedriger Kiefernwald trennt den wunderschönen Strand von den Gebäuden. Es herrscht schon eine sehr trostlose Stimmung, wenn man an den verfallenen und vernagelten Häusern vorbei schlendert.

Auch in der heutigen Zeit ist die Zukunft der Anlage mehr als ungewiss. Bis vor ein paar Jahren sind Teile der Anlage als Museen genutzt worden. Durch den Verkauf an einen unbekannten Investor sind aber die Pachtverträge nicht mehr verlängert worden und viele Museen mussten schließen. So verfällt das inzwischen denkmalgeschützte Prora immer weiter.

Room with a view
Room with a view

Samstag 03.10.09

Lohme

Strömender Regen auf Rügen. Wir entschließen uns nach Stralsund in den Hansedom zu fahren. Dieses große Hallenbad mit Wellness und Sauna Bereich wird an diesem Tag der Deutschen Einheit von sehr, sehr vielen Besuchern heimgesucht. Keine Liegeplätze, geschweige denn Entspannung finden wir vor. Satz mit X, das war wohl nix. Ziemlich genervt streichen wir nach 1-2 Stunden die Segel und fahren nach Lohme zurück.

 


Wasserschloss in Mellenthin
Wasserschloss in Mellenthin

Sonntag 04.10.09

Mellenthin

Heute verlassen wir Rügen und nehmen  Kurs aus Usedom. Über Stralsund und Greifswald führt der Weg auf die zweitgrößte Insel Deutschlands. Teile dieser langgezogenen Insel im äußersten Osten der Republik gehören schon zu Polen. Über die Brücke in Wolgast erreichen wir so gegen Mittag Usedom. Unser erster Weg führt uns in den Norden, in das ehemalige militärische Sperrgebiet, nach Peenemünde. An diesem geschichtsträchtigen Ort war im dritten Reich die Heeresversuchsanstalt untergebracht. Hier sollte unter Wernher von Braun die „ultimative“ neue Massenvernichtungswaffe entwickelt und erprobt werden. Mit Hilfe Tausender von Zwangsarbeitern und KZ Häftlingen wurden dann dort Raketen produziert. Die berüchtigste davon war wohl die Vergeltungswaffe 2, kurz V2, die als Langstreckenwaffe zur Bombardierung von London eingesetzt wurde.

Die sehr sehenswerte Ausstellung im Historisch-Technischen Informationszentrum ist in den alten Fabrikgebäuden untergebracht.

Nach diesem eher düsteren Kapitel deutscher Geschichte führt uns die Fahrt weiter ins Inselinnere. An der Nordküste Usedoms beherrschen die Badeorte das Gesicht der Insel. Weiter südlich zeigt sich ein viel ruhigeres und romantischeres Bild. So wie der kleine Weiler Mellenthin, am gleichnamigen Wasserschlösschen. Dort befindet sich unser letztes Domizil der Reise, der Gutshof Mellenthin.

Häuschen in Rankwitz
Häuschen in Rankwitz

Montag 05.10.09

Mellenthin

Heute werden zur Abwechslung mal die Wanderstiefel geschnürt. Wir starten unsere Tour in Rankwitz. Ein kleines Dörfchen ca. 5 km nordwestlich von Mellenthin. Wir wollen den Lieper Winkel erkunden. Die flache birnenförmige Halbinsel im Achterwasser ist ein abgeschiedenes Idyll, mit kleinen reetgedeckten Häuschen, viel Grün und sehr wenig Verkehr.

Selbst ein kleiner Regenschauer kann uns da die Lust am Wandern nicht vergällen. 20 km fast immer in Sichtweite des Boddens,  kaum Menschen, sogar einen Fischadler konnten wir bei der Jagd beobachten.

Abends ließen wir uns dann bei schönem Ambiente ein Abendessen im Wasserschloss schmecken.

Bäderarchitektur auf Usedom
Bäderarchitektur auf Usedom

Dienstag 06.10.09

Mellenthin

Die Sonne lacht aus einem strahlend blauen Himmel, da macht das Radeln doch gleich noch mehr Spaß. Ohne einen Besuch der drei Kaiserbäder darf man Usedom auch nicht verlassen.

Wie Perlen auf einer Kette liegen die drei Orte an der Nordküste der Insel. Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Am Küstenradweg radeln wir den Strand entlang. Die Orte gehen fast ineinander über und man kann mal wieder gar nicht genug staunen über die vielen prächtigen Villen und Hotels in der alten Bäderarchitektur. Heringsdorf ist wohl das größte und mondänste Bad mit viel touristischer Infrastruktur. Viele Hotels, Appartementanlagen und Restaurants prägen das Ortsbild. Etwas kleiner, aber meines Erachtens nicht minder attraktiv gestaltet sich Ahlbeck. Dort gönnen wir uns auch im besten Hotel am Platz, dem Ahlbecker Hof, eine Kaffeepause bevor wir den gleichen Weg zurück nach Bansin nehmen.

 

 

 

So endet der Aufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern mit vielen tollen Eindrücken und Bildern. Es wurde an den Küsten schon sehr viel renoviert und versucht den alten Charme der Bäderkultur zu erhalten oder wieder herzustellen. Wo der Tourismus herrscht ist dies auch hervorragend gelungen. Etwas abseits der Küsten kann man oft noch sehr scheußliche Plattenbausiedlungen der DDR Zeit ausmachen.

Dem positiven Gesamtbild der Region kann das aber nichts anhaben. Sehr schöne Unterkünfte, hervorragender Service und Essen und ein Radwegenetz, das seinesgleichen sucht. Das ist das Fazit unserer Reise in den Nordosten Deutschlands.


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