Südengland Frühling 2010

Cornwall again

 

Nach 2006 verschlägt es uns dieses Frühjahr nochmals auf die britischen Inseln. Wir waren vom letzten Besuch so angetan, dass wir Cornwall unbedingt noch mal sehen wollten. Wir erweiterten unsere Tour diesmal auf den gesamten Süden Englands, mit Schwerpunkt wieder im Südwesten. 30 Tage Zeit um die Grafschaften Kent,  Somerset,  Hampshire, Wiltshire, Devon, Cornwall und die Isles of Scilly und die Isle of Wight zu erkunden und wieder zu entdecken.

Seafrance "Moliere"
Seafrance "Moliere"

Anreise:

Mit einem frisch reparierten Auto (hoffentlich hält das Getriebe) starten wir zu unserer üblichen Zeit um ca. 4 Uhr. Über München, Stuttgart, Karlsruhe, durch den Pfälzer Wald und das Saarland erreichen wir am späten Vormittag das Großherzogtum Luxemburg. Wir machen hier eine ausgedehnte Pause und wollen uns die Stadt etwas ansehen.

Wir schlendern durch die Oberstadt mit dem Großherzöglichen Palais und gelangen alsbald an das ortsprägende Petrusstal. Wir steigen hinunter und befinden uns in einer romantischen Parkähnlichen Anlage. Schade, dass das Wetter nicht mitspielt hier gäbe es einiges zu fotografieren. Nach einer Kaffeepause legen wir die restlichen 500 km über die belgische Grenze und die Ardennen zurück, und erreichen am Nachmittag Calais. Die Stadt selber eignet sich nicht für Besichtigungen. Sie wurde im 2.Weltkrieg ziemlich zerstört und nicht im alten Stil wieder aufgebaut. Einzig ihrem bekannten Hafen verdankt Calais seine heutige Bedeutung. In der Nähe des Fähranlegers übernachten wir in einem einfachen Hotel, damit wir morgen ausgeschlafen unsere Reise fortsetzen können.

Paradise House in Bath
Paradise House in Bath
  1. Tag

Bath

Um 7.30 Uhr legen wir mit der Seafrance Moliere bei strahlendem Sonnenschein und ruhigem Meer in 1,5h nach Dover über. Da wir im Gegensatz zum letzten Mal nur ca. 300 km bis zu unserem ersten Ziel zu bewältigen haben, nützen wir die Zeit um auch im Südosten einige Sehenswürdigkeiten mitzunehmen. Durch unsere Reisen nach Neuseeland, Südafrika und eben auch England macht uns der Linksverkehr keine Probleme und wir erreichen ziemlich flott das kleine Städtchen Canterbury.

Canterbury ist das anglikanische Zentrum Englands und Sitz des Erzbischofs. Seine Kathedrale ist eine der größten Sakralbauten auf englischem Boden und schon sehr beeindruckend. Mit dem Grabmahl des „Schwarzen Prinzen“ und der Ermordung des Erzbischofs Thomas Beckett durch Ritter des Königs an dieser Stelle, erlangte die Kirche schon im Mittelalter Berühmtheit. Nach der Besichtigung der Kathedrale fahren wir in südwestliche Richtung zum Leeds Castle. Dieses Wasserschloss liegt mitten in einem weitläufigen Park und gilt als eine der schönsten Burgen Englands. Mehr als 1000 Jahre alt war das Schloss in der Vergangenheit Wohnsitz mehrerer Könige. Nach so viel Geschichte gönnen wir uns ein kleines Päuschen um dann noch den restlichen Weg nach Bath zurückzulegen. Unser erstes B&B entpuppt sich als 5* Luxus Guesthouse mit liebevoll eingerichteten Zimmern und einem üppigen Garten mit Blick über die Stadt Bath.

Abends machen wir noch einen kurzen Bummel ins Zentrum zum Essen und auf ein Pint Guinness!!!

Glastonbury Abbey
Glastonbury Abbey

 2. Tag

  Bath

Bei schönstem Wetter und nach opulentem Frühstück erkunden wir die Gegend um Bath. Vorbei an kleinen Dörfern, Weiden und Wiesen gelangen wir nach ca. 1h Fahrtzeit in das Dorf Cheddar. Das Örtchen, in den Mendip Hills gelegen, gab dem berühmten englischen Käse seinen Namen. Kurz hinter der Ortsgrenze beginnt eine ca. 5 km lange Schlucht. Mit seinen bis zu 113m hohen Felswänden ist die Cheddar Gorge jetzt nicht gerade spektakulär, aber doch recht ansehnlich und eine Durchfahrt lohnt allemal. Man kann auch vom Touristenzentrum aus die sogenannte Jacobs Ladder hinaufsteigen. Mit seinen 274 Stufen kann man die obere Kante der Schlucht erwandern und hat angeblich einen tollen Ausblick. Who knows? Wir jedenfalls schenken uns die Treppe, zumal auch der Ort so einen leichten Kirmescharakter hat und steuern unser nächstes Ziel an. Wells

Nirgendwo in England ist das Größenverhältnis von Kirche zu Stadtgröße so im Ungleichgewicht. Mitten im Dorf erhebt sich die Kathedrale von Wells in den englischen Himmel. Die berühmte Westfassade ist mit über 300 Statuen bestückt, auf denen der Zahn der Zeit schon sehr, sehr deutlich zu sehen ist. Nach einem kurzen Abstecher in die älteste Reihenhaussiedlung der Welt, dem Vicar´s Close, steuern wir unsere letzte Station für heute an, das New Age Zentrum Glastonbury. Anscheinend versammeln sich hier alle Hippies, Yogis und andere Alternativen Südenglands. Überall riecht es nach Räucherstäbchen und anderen rauchbaren Substanzen, man sieht Meditierende oder kann unzählige Yogakurse besuchen. Eine ziemlich bunte Mischung an Menschen bevölkert den Ort. Portraitfotografen hätten ihre helle Freude an den Mengen von  skurrilen Typen.

Nach Besichtigung der Abteiruinen „erklimmen“ wir das Heiligtum der Stadt, den Glastonbury Tor. Wie ein Tor zu einer anderen Welt thront der Steinturm exponiert auf einem Hügel über dem Ort. Es hält sich die Legende, dieser Turm sei der Durchgang zum sagenumwobenen Avalon, jener mystischen Insel auf der König Artus seine letzte Ruhe gefunden hat. Oben angekommen ist von mystischer Stimmung keine Spur. Der Wind pfeift ganz ordentlich um das Gebäude und viele Menschen suchen vergeblich nach dem Eingang nach Avalon indem sie durch das Tor schreiten. Auch wir wurden nicht fündig und steigen dann auch bald wieder vom Tor abwärts, um die Heimreise nach Bath anzutreten.

Abends in Bath tobt am Wochenende der Bär, alle Restaurants und Bars sind gut gefüllt und das junge Publikum der Stadt macht die Nacht zum Tag.

Bath Cathedral
Bath Cathedral

3. Tag

Bath

Das Wetter zeigt heute typisches englisches Schmuddelwetter mit dichten Wolken und zeitweise Regen. Ein Grund, gleich mit einer Indoor Attraktion zu beginnen. In Bath besichtigen wir die Römischen Bäder. Seit langer Zeit ist Bath für sein sprudelndes Thermalwasser bekannt. Schon die alten Römer wussten was Wellness bedeutet und haben um die Quelle eine Art Spa errichtet, welches sich bis heute teilweise unterirdisch erstreckt. Herzstück des Museums ist der Open Door Pool mit seinen typisch römischen Säulen, Nischen, Skulpturen und türkisgrünem Wasser. Nachdem das Wetter auch schon wieder besser wird machen wir erneut einen Ausflug in die Umgebung von Bath. Keine Stunde Fahrzeit entfernt erreichen wir das kleine Dörfchen Castle Combe. England wie aus dem Bilderbuch. Alte Steinhäuser, ein kleiner Marktplatz mit Brunnen und natürlich eine normannische Kirche mit Friedhof. Der umgebende Wald des „kitschigen „ Dorfes steht derzeit in voller Bärlauchblüte. So weit das Auge und die Nase reicht nur wilder Knoblauch. Die Nase kriegt’s natürlich auch mit-

Wir fahren weiter zur Lacock Abbey. Die alte Abtei inmitten eines Parks gelegen, wurde in jüngster Vergangenheit oft als Filmkulisse verwendet. So kann man in Jane Austen´s Emma das Schloss bewundern, während bei Harry Potter der Kreuzgang des Klosters als Szenenbild dient.

Abends statten wir Jamie Olivers „Italian“ in Bath einen Besuch ab. Versteckt in einer Seitengasse liegt das bekannte Lokal des populären Fernsehkochs. Da hier die Devise herrscht, wer zuerst kommt mahlt zuerst, d.h. keine Reservierungen angenommen werden, bekommen wir Sonntagabend bequem einen Platz. Es herrscht die Atmosphäre einer Bahnhofshalle, laut, hektisch und ziemlich ungemütlich. Aber das sollte uns Feinschmecker nicht abhalten, denn das Essen war wirklich hervorragend und für englische Verhältnisse geradezu billig. Wer einmal Bath besuchen will, sollte dort auf alle Fälle ein Lunch oder Diner einplanen.

The Old Rectory
The Old Rectory

4. Tag

Widecombe-in-the-Moor

Heute müssen wir unser kleines schnuckeliges B&B wieder verlassen und machen uns nach dem Frühstück auf die zweite Etappe unserer Englandreise. Von Somerset führt unser Weg Richtung Nordwesten an die Küste Devons. Das Museumsdorf Clovelly ist unser erster Stopp für heute. Das ganze kleine Fischerdorf ist in Privatbesitz und es ist auch das einzige Dorf bei dem man Eintritt zahlen muss. Aber die Eintrittsgelder werden auch dazu genutzt diesen romantischen Ort bestens zu erhalten. Clovelly ist komplett autofrei, nichts stört die Idylle und man kann die 800m lange Hauptstraße bis an den Hafen hinunterspazieren. Ein nettes Cottage am anderen. Die Bewohner Clovellys müssen sich verpflichten mindesten 200 Tage im Jahr hier zu leben und anstehende Renovierungsarbeiten immer in Sinne des Eigentümers durchzuführen. Das heißt, mit historischen Baumaterialien und  auf althergebrachte Art und Weise. So bekommt man heute noch  einen Eindruck vom harten Leben der Fischer in den letzten Jahrhunderten.

Unser neues Navi jagt uns dann eine ganz eigentümliche Strecke ins 150km entfernte Dartmoor. Manchmal war ich trotz Karte und Ortsschildern nicht mehr sicher, ob wir noch richtig sind, da die winzigen Weiler in meiner Straßenkarte nicht mehr dargestellt wurden.

Schlussendlich sind wir dann doch noch angekommen im berühmt-berüchtigten Dartmoor. Hier ließ Arthur Conan Doyle seinen Detektiv Sherlock Holmes den „Hund von Baskerville“ jagen und auch das Moorgefängnis in Princetown ist Schauplatz manch grausiger Geschichte.

Am heutigen Tag hat das Moor aber nichts Gruseliges an sich. Der Himmel ist klar und sonnig, von dem unheimlichen Nebel keine Spur. Wir können schon viele der kleinen Gipfel, Tors genannt, erkennen und auch einige der niedlichen Dartmoor Ponys mitsamt Nachwuchs kreuzen unseren Weg. Mitten im Moor gelegen liegt in dem winzigen Dörfchen Widecombe in the moor unser Domizil für die nächsten drei Tage. „ The old Rectory“ wird von zwei schrulligen älteren Damen geführt, die sich hier im Moor als Künstlerinnen niedergelassen haben. Im großen Garten des Anwesens kann man viele ihrer  Skulpturen bewundern. Auch im Inneren der Rectory finden sich Kostproben ihres Könnens. Es herrscht charmantes Chaos und man fühlt sich trotz der mageren Dusche pudelwohl.

Dartmoor Pony
Dartmoor Pony

5. Tag

Widecombe in the moor

Der erste Wandertag des Urlaubes steht heute auf dem Programm. Das Wetter ist nicht mehr ganz so strahlend blau wie gestern, aber trocken. Eigentlich ideales Wanderwetter. Wir bekommen noch Tipps von unserer Zimmerwirtin, was wir nicht verpassen sollten und schon stapfen wir los. Bergauf, bergab führt uns die Tour ( Rother Wanderführer) von einem Tor zum nächsten. Wir haben freie Sicht, so dass sich die Orientierung problemlos gestaltet. Ich kann mir gut vorstellen, dass man bei Nebel oder einem schnellen Wetterwechsel schon mal in dem großen Gebiet verloren gehen kann. Über den Top Tor und Saddle Tor erreichen wir einen der markantesten Gipfel, den Haytor. Hier an den Granitfelsen können sich Kletterer an den Steilhängen austoben. Auch wir versuchen die höchste Stelle des Felsens zu erkraxeln, aber es ist doch alles ganz schon wackelig und ich begnüge mich mit halber Höhe. Wir wandern weiter zu dem wohl berühmtesten Hügel des Moores. Am Hound Tor treibt der Hund von Baskerville sein Unwesen und mit ein bisschen Phantasie kann man ihn in der Einsamkeit der Landschaft auch heulen hören ;-). Durch die karge Heide und üppige Täler wandern wir weiter und erreichen auf der Südseite des Hound Tor einen Blütenteppich von Blue Bells. Diese Glockenblumen werden wir in den nächsten Wochen noch viel blühen sehen, aber nirgendwo so intensiv wie hier an der Flanke dieses Hügels. Durch die Kargheit der Landschaft sticht das Blau der Blümchen richtig raus.

Zurück in Widecombe gönnen wir uns im ansässigen Cafe den ersten Cream Tea des Urlaubs.

Cream Tea ist ein typischer englischer „Snack“. 2 frisch gebackene Scones (neutrale Sodabrötchen) werden mit angedickter Sahne, clotted cream, und Erdbeermarmelade serviert. Dazu gibt es eine Kanne Tee. Nicht gerade die leichteste Zwischenmahlzeit, aber sehr lecker.

The Old rectory garden
The Old rectory garden

6. Tag

Widecombe in the moor

Nun hat uns das Moorwetter doch noch eingeholt. Es nieselt und dichter Nebel wabert über die Berghänge. Wir entschließen uns eine kleine Rundtour im Auto zu machen. Erster Halt ist das Dorf Postbrigde. Wie der Name schon sagt befindet sich hier einige der wenigen Brücken über den River Dart. Heute gibt es sogar zwei davon, eine „moderne“ gemauerte Steinbrücke, die dem Verkehr der Neuzeit gewachsen ist, und eine sogenannte Clapper brigde. Diese Art von Brücken sind charakteristisch für den Süden Englands und mancherorts schon aus prähistorischer Zeit. Unsere Brücke ist aus dem 13. Jahrhundert und besteht aus mehreren dünnen Natursteinplatten, dessen Stabilität nur auf dem Gewicht der auf sich ruhenden Steine begründet ist. Wir fahren weiter über Two Brigdes und Princetown in den größeren Ort Tavistock. Heute ist Markttag und wir spazieren durch die Markthalle, in der allerhand Nippes und Kitsch verkauft wird. Der Regen lässt nach und wir begeben uns an den Rand des Nationalparks zur Lydford Gorge. Die dem National Trust zugehörige Schlucht kann man bequem in 1-2 Stunden auf einer Einbahnstrecke erwandern. Ein üppig grüner Wald zieht sich den Abhang entlang, überall blühen wieder Bärlauch und Blue bells. Am Grund der Schlucht ist der 30m hohe White Lady Wasserfall zu bewundern und der Pfad schlängelt sich mit dem River Burn immer tiefer ins Gestein. Die letzten 500m kann man dann schon mit einigen Alpenklammen vergleichen. Wild rauscht der Bach dahin und das Wasser frisst sich immer weiter in das Gestein. Im Devils Cauldron herrscht ohrenbetäubender Lärm. Für Menschen mit Platzangst ist die kleine Aussichtsplattform über der Klamm nicht unbedingt geeignet. Unten „kocht“ der Fluss, man steht mitten in einer Gischtwolke und der Himmel ist aufgrund der engen Schlucht kaum noch zu erkennen. Ein eindrucksvolles Naturschauspiel.

Boscastle
Boscastle

7. Tag

Padstow

Wir verlassen das Moor und fahren Richtung Cornwall. Pünktlich zur Einfahrt in die Grafschaft spitzt die Sonne durch die sonst dichte Wolkendecke. Wenn das kein gutes Omen ist. Wir wollen heute wieder wandern gehen. Es ist sogar ziemlich warm geworden in England. Start und Ziel unserer Tour ist das Fischerstädtchen Boscastle. Dieser Ort erlangte im August 2004 traurige Berühmtheit. Bei schweren Regenfälle zerstörte eine 4m hohe Flutwelle den kompletten Hafenbereich des Ortes. Autos wurden weggespült und Häuser zerstört. Die Menschen mussten per Hubschrauber von den Dächern ihrer Häuser gerettet werden. Wie durch ein Wunder gab es keine Todesfälle. Heute strahlt der Hafen wieder im alten Glanz. Die Cottages wurden liebevoll nach alter Tradition wieder aufgebaut und nur die vermeintlich überdimensionierte Kaimauer erinnert an die Flutkatastrophe.

Wir wenden uns Richtung Landesinnere und wandern mehrere Kilometer über die altbekannten Wiesen und Weiden immer leicht bergan. Wir folgen einem kleinen Flusslauf und erreichen nach ca. 2h St. Nectan´s Glen. Bei der gleichnamigen Einsiedelei zahlen wir Eintrittspreis und steigen dann wenige Stufen in ein verwunschenes Tal hinab. Unten erwartet uns ein bizarres Schauspiel. Zum einen ist dort ein Wasserfall zu bewundern, der sich natürlich seinen Weg durch den Felsen gegraben hat, und heutzutage durch ein Felsentor fällt. Sieht schon sehr schön aus. Zum anderen ist dieser Ort wohl Pilgerstätte für viele Kranke, Verzweifelte oder auch nur unglücklich Verliebte. Überall rund um den Wasserfall hängen bunte Bändern an den Bäumen oder liegen beschriftete flache Steine rum, mit denen die Menschen Hilfe für ihre Anliegen vom Eremit St. Nectan, der hier gelebt hat und auch hier gestorben ist, erbeten. Echt skurril.

Wir wandern weiter und erreichen alsbald das Rocky Valley, ein Tal mit eigentümlichen Felsformationen, das dann bald im Atlantik mündet. Hier treffen wir wieder auf unseren geliebten Coastal Path. In der Ferne kann man Tintagel Castle, den angeblichen Geburtsort von König Artus, erkennen. Nachdem wir die Burg im letzten Urlaub schon besichtigt haben, wenden wir uns daher nach rechts und wandern am Küstenwanderweg, der in diesem Abschnitt wirklich atemberaubende Ausblicke bietet, nach Boscastle zurück.

Übernachten werden wir in Padstow, wo uns  nach fantastischem Abendessen im Restaurant Pescadou, noch einige stimmungsvolle Hafenbilder im Abendlicht gelingen.

Newquay Harbour
Newquay Harbour

8. Tag

Maenporth

Nach diesmal nicht so tollem Frühstück decken wir uns erst mal mit Sonnencreme ein und verlassen Padstow wieder. Wir fahren die Nordküste in Richtung Westen und gelangen sehr bald an den Parkplatz der Bedruthan Steps. Durch die frühe Stunde hält sich der Besucherandrang in Grenzen und wir haben die Küste fast für uns allein. Leider ist es zum Fotografieren nicht unbedingt die beste Tageszeit, weil einige der spektakulären Spots noch im Schatten liegen. Da müssen wir unbedingt zur Abendzeit noch mal her. Aber einige der gefühlten 1000 Bilder wurden dann auch ganz ansehnlich.

Weiter geht es ins Surfer Mekka Newquay. Architektonisch versprüht der relativ große Ort den Charme von italienischen Adriaorten, wie Jesolo oder Cesanatico. Imbisslokale, Strandboutiquen und natürlich eine Menge Surfequipment. Also für uns eher ein Alptraum. Nichts desto Trotz ist der Fistral Beach sehenswert. Am bekanntesten der 3 Strände in Newquay und Umgebung herrscht reges Surftreiben und einige Sonnenanbeter liegen auch schon da. Nach kurzer Runde verabschieden wir uns wieder und fahren in ruhigere Gefilde.

Am St.Agnes Head machen wir ein kurze Wanderung den Coastal Path entlang. Mit einer verlassenen Zinnmine direkt an der Küste hat die Strecke ihr fotografisches Highlight.

Nun nehmen wir Kurs auf unsere einzige Ferienwohnung in dem Urlaub. Diese liegt in Maenporth, einem kleinen Badeort in der Nähe von Falmouth an der Südküste Cornwalls.

Ganz untypisch haben wir uns in eine Ferienanlage eingebucht. Mit vielen gleichgeschnittenen Wohnungen und 4-seitiger Anlagenverordung wirkt es erst einmal  ziemlich steif. Aber die Wohnung entpuppt sich als hell, groß und modern eingerichtet. Küche und Bad sind neu renoviert, alles in allem wirklich sehr nett. Nach längerer Supermarktsuche, seit Irland unsere Spezialität, erstehen wir alles nötige zum Überleben und lassen uns zur Abwechslung mal gesunde selbstgekochte Kost schmecken.

Polperro
Polperro

9. Tag

Maenporth

Was für ein fast perfekter Tag. Die Sonne strahlt vom Himmel, die Temperaturen bewegen sich jenseits der 25°C Marke. Urlauberherz, was willst Du mehr.

Wir fahren die Südküste entlang zum kleinen Fischerörtchen Polperro. Zwar lässt der riesige  Parkplatz am Rande des Dorfes schlimmes vermuten, was die Touristenmengen angeht, vor allem die vielen Busparkplätze sind mir ein Dorn im Auge, aber im Ort selber verlaufen sich die Ströme und man kann immer noch viele kleine abgelegene Gäßchen für sich alleine genießen. Der Ort ist, wie oben bereits beschrieben, hauptsächlich für den Tourismus ausgelegt. Wer aber atmosphärische Fischerdörfer, kleine Häfen und nette Cottages mag, sollte sich nicht abhalten lassen ein paar Stunden hier zu verbringen. Vielleicht ist es abends noch einen Tick romantischer, wenn die ganzen Busladungen wieder fort sind. Wir haben es jedenfalls sehr genossen uns treiben zu lassen, ein paar Pasties zu vertilgen und auch einige Souvenirs zu erstehen. Im Nachbarort Polruan parken wir erneut unser Vehikel und schnüren die Wanderstiefel. Auf dem bekannten Coastal Path, der fast in jeder unserer Wanderung zumindest einen Teil darstellt, marschieren wir in Richtung Lantic Beach. Karibische Verhältnisse. Türkises Wasser, kleine Boote in der Bucht und ein perfekt weißer Sandstrand. Herrlich. Am River Fowey entlang , mit genialen Ausblicken auf Fowey stiefeln wir zurück zum Auto.

Hätte der FC Bayern dann heute noch die Champions League gewonnen, wäre es der perfekte Tag gewesen.

Cheesewring, Bodmin Moor
Cheesewring, Bodmin Moor

10. Tag

Maenporth

Und wieder hochsommerliche Temperaturen in England. Zuhause ist es kalt und regnerisch und wir schwitzen hier. Na ja wenn Englein nach England reisen.

Wir nutzen das gute Wetter für einen Ausflug ins Bodmin Moor. Im letzten Urlaub wollten wir hier auch eine Wanderung machen, aber der dichte Nebel machte uns einen Strich durch die Rechnung. Damals haben wir das Auto kaum noch wiedergefunden, nachdem wir einen Steinkreis besichtigt haben, der vielleicht 100 m vom Parkplatz entfernt lag.

Ganz anders heute, stahlblauer Himmel, die Fernsicht ist grandios. Kurz nach dem besagten Steinkreis führt ein Weg ins Moor hinein. Ebenso wie im Dartmoor ist die Landschaft karg, höchstens ein paar Ginster oder Erikastöcke und wenige verschrumpelte Bäumchen. Die Topographie des Ortes wird durch sanfte Hügel geprägt, auf deren „Gipfel“ sich wieder die eigentümlich geformten Granitfelsen türmen. Ein besonders bizarr geformtes Gebilde sind die Cheesewrings. Wie große, aufeinanderliegende Käselaibe sehen diese Felsen aus. Man kann gar nicht glauben, dass sie natürlichen Ursprungs sind, eher von einem cleveren Tourismusmanager übereinander gestapelt. Wir wagen uns noch etwas weiter ins Moor vor und gelangen dann ab einem stillgelegten Steinbruch über eine alte Bahntrasse zurück zum Parkplatz. Hier gibt es weit und breit keinen Schatten, dementsprechend aufgebrannt und durstig kommen wir dort an. Ein Hoch auf unser klimatisiertes Auto.

Nach soviel Natur soll heute auch die Kultur nicht zu kurz kommen. Ganz in der Nähe des Bodmin Moor liegt eines der vielen Herrenhäusern, die man in England besuchen kann, Lanhydrock House. Seit dem 15. Jahrhundert befindet sich das Anwesen in Besitz der Familie Robarts. Seit den 60iger Jahren sind Teile des Hauses der Öffentlichkeit zugänglich. Mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, kann man in den über 50!! Zimmern des Landhauses das Leben in einem derartigen Anwesen nachvollziehen. Wirklich nett gemacht.

Berühmt ist Lanhydrock auch wegen seines Gartens. Auf mehreren Etagen verbirgt sich eine Fülle verschiedener Pflanzenarten. Hervorzuheben sind die riesigen Magnolien und Rhododendren-Bäume, auch die Hortensien-Plantangen, oder seltene exotische Pflanzen wie der Taschentuchbaum. Für Garten und Pflanzenliebhaber ein MUSS.

Leuchtturm St. Anthony's head
Leuchtturm St. Anthony's head

11. Tag

Maenporth

Oh mann ist das heiß. Erneut schönstes Sommerwetter und erneut schnüren wir unsere Wanderschuhe um einen Teil des Coastal Path zu erkunden. Wir entscheiden uns heute dafür die kleine Halbinsel Roseland abzulaufen. Der Weg zieht sich ca. 16 km fast immer in Sichtweite des Meeres von Porthcatho über den St. Anthony´s Head  und dem kleinen Kirchlein St.Anthony´s in the Roseland zurück nach Porthcatho.

Wir laufen die Ostküste der Halbinsel entlang. Vorbei an wunderschönen Sandstränden wie z.B. den Towan Beach oder den Porthbeor Beach. Das türkise Wasser lädt zum Baden ein. Der weiße Sand gaukelt einem die Karibik vor. Aber noch ist es etwas früh für eine Rast und schweren Herzens wandern wir weiter, bis wir so gegen Mittag den Leuchtturm von St. Anthony´s Head erreichen. Hier standen im zweiten Weltkrieg viele Beobachtungs- und Schießbunker, die den Hafen von Falmouth, einer der wenigen hochseetauglichen Häfen der Umgebung, schützen sollten. Man kann die Betonbunker heute noch sehen. Ein Stück weiter finden wir dann erneut einen kleinen Sandstrand, wo wir aber nun doch Pause machen wollen.

Wir steigen die Felsen hinab in die liebliche Bucht, wo auch einige wenige andere Sonnenanbeter ihren Tag genießen. Ich habe mein Badezeug vorsorglich mitgenommen und nach den schweißtreibenden  An- und Abstiegen freue ich mich auf eine Abfrischung. Bei  Wassertemperaturen von 12°C !! kann man da wirklich von Erfrischung sprechen. Ich war ca. 10 sec. in den Fluten , bevor ich wieder an den Strand zurückgekehrt bin. Das Bad hatte eher was von Saunatauchbecken, aber ich kann auf alle Fälle behaupten: Ich war im Atlantik Baden. Mir ist es echt ein Rätsel, wie die Engländer bei diesen Temperaturen schwimmen gehen, selbst kleine Kinder. Irgendwie sind wir Festlandseuropäer schon ganz schöne Warmduscher.

Dann geht es über die Westseite der Halbinsel mit Blick auf St. Mawes zurück nach Porthcatho.

Am Abend starten wir noch eine Fototour zur Blue Hour nach Marazion, aber ein undurchdringlicher Küstennebel über dem Burgberg macht uns einen Strich durch die Rechnung. Schade.

Lizard Point
Lizard Point

12. Tag

Maenporth

Wieder Wandertag. Müßig zu erwähnen, dass das Wetter schön ist, und dass wir auf dem Coastal Path unterwegs sind.

Wir versuchen uns nochmals an einer Tour, bei der wir das letzte mal fast gescheitert sind, bzw. den Weg nicht gefunden haben und uns durch Heide und Brombeergestrüpp schlagen mussten. Zur Beruhigung heute nehmen wir die richtige Abzweigung.

Ort des Geschehen ist die sehr dünn besiedelte Lizard Halbinsel. Am Lizard Point, dem südlichsten Punkt Englands starten wir die 15 km lange Tour. Die Küstenszenerie ist in diesem Abschnitt auch sehr beeindruckend. Wild zerklüftet, und dadurch auch reichlich anstrengend, aber die Ausblicke sind atemberaubend. An der Kynance Cove, für mich der Strand  schlechthin, machen wir Fotosession, bevor wir durch die Lizard Downs zum niedlichen Fischerdorf Cadgwith weiter wandern. Der Rückweg zum Lizard Point ist ebenfalls wunderschön, aber er hat es auch in sich. Jede Bucht muss ausgelaufen werden und die Klippen sind hier verdammt hoch. Das heißt, man keucht den Anstieg hoch und oben angelangt auch gleich wieder runter, bevor sich das Spiel wiederholt. Psychologisch etwas ungünstig, denn man sieht oben auf der Klippe schon wieder den nächsten Anstieg vor sich.  Keine 100m flache Strecke. Nach 3 Meilen hat man bestimmt 600 Höhenmeter intus. Wir sind zwar ziemlich groggy, als wir am Parkplatz ankommen, aber wieder schwer beeindruckt. Ein absolutes Wanderhighlight.

Glendurgan Garden
Glendurgan Garden

13. Tag

Maenporth

Das Wetter hat umgeschlagen. Dichte Bewölkung liegt über dem Land. Im Moment ist mir das ganz recht, dadurch kann sich unsere sonnenverbrannte Haut etwas erholen. Außerdem muss ich nicht ständig unsere Klamotten waschen, weil sie durchgeschwitzt sind. Jetzt heißt es erst einmal durchatmen und eine Wanderpause einlegen. Wir waren in den letzten Tagen ganz schön viel auf den Beinen, darum lassen wir es heute mal gemütlich angehen. Endlich mal richtig ausschlafen und in Ruhe frühstücken. Auch unser Auto muss heute nicht lange arbeiten. Wir besuchen den nahegelegenen Glendurgan Garden. Auch hier gilt wieder; schöner alter Baumbestand, vor allem Rhododendren in jeglicher Form und Farbe. Auch Palmen gedeihen dank des milden Golfstroms in dieser Gegend hervorragend. Optischer Höhepunkt des Garten ist ein begehbares Labyrinth aus Kirschlorbeer, an welchem sich speziell die Kinder erfreuen, da die meisten die ca. 1.50m hohen Hecken nicht überblicken und dann wirklich im Labyrinth herumirren. Am  Aussichtspunkt darüber kann man das Treiben und Irren ganz gut beobachten.

Den Rest des Tages verbringen wir mal in unserer Hütte, um die müden Knochen auszuruhen.

Ein bisschen lesen und einen Film gucken, mehr ist heute nicht mehr drin.

Lost Gardens of Heligan
Lost Gardens of Heligan

14. Tag

Maenporth

Heute passt das Wetter wieder und wir sind dann natürlich gleich wieder auf Achse. Unser Ziel für heute sind die  Lost Gardens of Heligan. Die Anfänge des Gartens gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert ließ die Familie Tremayne die Gärten in ihrer heutigen Form planen und anlegen. Nach dem ersten Weltkrieg verwilderten die Gärten, da das Haus von der Familie nicht mehr unterhalten werden konnte. In den 70er Jahren wurde das Haus verkauft, und erst 1991 begann der Musikproduzent Tim Smit, ein Holländer, mit Hilfe befreundeter Gartenbauingenieure die Gärten nach altem Vorbild zu renaturieren. In den nächsten 10-15 Jahren entstanden dann hier in der Nähe von St. Austell diese herrlichen Gärten.

Auf 400 Hektar Land wurden so Nutz-, und Ziergärten, Weiden und sogar zwischen den hohen Felswänden in einer Schlucht, ein Dschungel angelegt. Man sollte sich schon einen halben Tag Zeit nehmen, um das große Areal zu besichtigen. Zwischen den einzelnen Gärten haben sich noch Künstler mit ihren Werken verewigt. So blickt man auf eine schlafende „mud maid“ , oder in die großen Augen des „giants head“.

Am Nachmittag fahren wir auf dem Rückweg nach Falmouth noch nach St. Mawes, einem kleinen verschlafenen Ort auf der schon bekannten Roseland Halbinsel. Wir schlendern die Hafenmeile entlang bis zu einem Kastell gegenüber von St. Anthony´s Head ( unser Ziel vor 3 Tagen). Touristisch ist hier ansonsten nichts Besonderes zu erwähnen, außer vielleicht die beschauliche Stimmung am späten Nachmittag.

Bottalack Mine
Bottalack Mine

15. Tag

Porthcurno

Quartierwechsel ist heute angesagt. Wir packen unsere 7 ( vermutlich eher 700 ) Sachen ins Auto und verlassen die Südküste Cornwalls, um uns nun den Nordwesten der Grafschaft vorzunehmen. Das Wetter ist mal wieder schön und so werden wir nach 2 Tagen Wanderpause mal wieder losstiefeln. Wir starten unsere Minentour in St. Just in Penwith. Diese alte Dorf wird noch heute von grauen Reihenhäuser der ehemaligen Bergarbeiter geprägt. Dreh-, und Angelpunkt ist der Marktplatz mit seinen Pubs und Hotels. Wir wandern wieder an Weiden, Feldern und winzigen Dörfern vorbei durch früheres Minengebiet. Im 19. Jahrhundert verursachte die Industrialisierung einen regelrechten Zinnboom. So kann man heute noch Zeugen dieser Zeit überall in dieser Gegend sehen. Wie die Perlen einer Kette reihen sich verfallene Minen aneinander. Die letzte Zinnmine der Gegend schloss erst vor 20 Jahren. Dort kann man auch eine Minenbesichtigungstour mitmachen, aber mein Mann war leider nicht dazu zu überreden 700m tief in einen Stollen hinabzufahren.

So lassen wir die Geevor Tin Mine links liegen und wandern die Küste entlang. Ein Minenschacht am nächsten und es herrscht gespenstische Stille. Industrieruinen haben schon einen ganz eigenen Charakter. Eine besonders fotogene Anlage ist die Bottalack Mine. Die verfallenen Gebäude liegen fast direkt an den Klippen. Unten bricht sich das Meer in lauten Wellen, oben kreischen die Möwen. Schade das sich der Himmel immer weiter bewölkt hat, und leider die Fotos etwas zu farblos erscheinen. Die Wirklichkeit war deutlich beeindruckender. Über Cape Cornwall und das liebliche Val Cot erreichen wir nach 16km strammen Wanderns wieder unseren Ausgangspunkt und fahren die letzten 20 km bis Porthcurno, wo wir ein nettes B&B vorgebucht hatten.

Sennen Beach
Sennen Beach

16. Tag

Porthcurno

On the road again. Trotz dichter Bewölkung nehmen wir uns heute eine 20 km Tour um den westlichsten Zipfel Englands vor. Direkt von unserer Unterkunft laufen wir an den schönen Badestrand von Porthcurno und wenden uns dann wieder dem Coastal Path ( was sonst) zu. Nach ca. 1h biegen wir an einer kleinen Bucht ins Landesinnere ab. Der Weg führt uns einen kleinen Bachlauf entlang und an einigen Farmhäusern vorbei. Nach ein paar Orientierungsproblemen und leichtem Nieselregen erreichen wir nach weiteren 2h das kleine Fischerdorf Sennen Cove. Auch hier gibt es einen wunderschönen langen Sandstrand, der zwar bei dem Wetter heute keine Sonnenanbeter anlockt, aber doch einige mutige Surfer, die sich bei ordentlichen Windstärken in die Fluten stürzen. Wir schlendern durch das kleine Örtchen und genießen den wohl besten Cream Tea des Urlaubs, bevor wir die nächsten 5 Meilen  den Coastal Path entlang wandern. Eine halbe Stunde nach Sennen Cove erreichen wir den westlichsten Punkt Englands mit dem bezeichnenden Namen Lands End. Die Strecke zwischen Lands End und Sennen Cove ist eine der meist frequentiertesten Strecken des Coastal Path. Viele Pauschal- oder Bustouristen spazieren die kurze Strecke. Auch heute ist, trotz des schlechten Wetters, eine Menge los. In Lands End pfeift uns der Wind fast in Orkanstärke um die Ohren. Dadurch ist der Andrang am Aussichtspunkt nicht allzu groß. Normalerweise herrscht hier Rummelplatzatmosphäre, da haben sich die Engländer nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Das einzig Gute daran ist, sobald man 10 min. weiterwandert, gehört der Küstenweg wieder den Wanderern, und man kann die Aussicht auf die dramatische Szenerie in aller Stille genießen. Das machen wir dann die nächsten 3h ausgiebig. Dunkle Wolken jagen über den Horizont, der Sturm tobt und das Meer wirft krachende Brecher an die zerklüftete Küste. Man bekommt schon so was wie Ehrfurcht, wenn man den Elementen in dieser Umgebung so ausgeliefert ist. Über das Minnack Theater in Porthcurno, welches wir schon im letzten Urlaub besucht hatten, erreichen wir am Nachmittag wieder unsere Unterkunft. Schade, dass es auch diesmal mit einem Theaterbesuch nichts wird, da die Spielsaison erst am Montag beginnt und wir dann schon nicht mehr hier sind.

Nach einer angemessenen Pause, fahren wir die 20 km nach Penzance zum Abendessen ins älteste Pub Cornwalls.

Boards in Mousehole
Boards in Mousehole

17. Tag

Porthcurno

Wanderpause. Nach der anstrengenden Tour von gestern, lassen wir die Wanderstiefel heute stehen und erkunden mit dem Auto die Penwith Halbinsel. Unsere erste Anlaufstelle ist das kleine Dörfchen Mousehole ( Maussel gesprochen). Ein kleiner Hafen, einige Souvenirgeschäfte und Restaurants, sonst ist hier nicht allzu viel geboten. Vielleicht sind wir schon etwas abgesättigt mit Fischerdörfern, aber irgendwie will der Funke dieses  Ortes nicht überspringen. Er ist nett, ja, aber ich finde es gibt hier genügend Dörfer, die atmosphärisch dichter sind.

Weiterfahrt nach Marazion. In der Bucht von Marazion thront wohl eine der meist besuchten Sehenswürdigkeiten Cornwalls. Die Gezeiteninsel  St. Michaels Mount. Der kleine Bruder des Mont Saint Michel in der Normandie. Ca. 300 m von der Küste entfernt trotz ein Fels mit einer Burg den Elementen. Bei Ebbe ist der Mount über einen Causeway mit dem Festland verbunden. Bei Flut muss man das Boot nehmen, um trockenen Fußes überzusetzen. Es ist Sonntag und Menschenmassen pilgern Richtung Burg. Oh weh, sollen wir uns das wirklich antun und mit dem Strom mitlatschen? Aus Mangel an Alternativen entscheiden wir uns dann doch dafür und marschieren bei anfangender Ebbe den steinernen Weg hinüber zur Burg. Der Berg ist seit dem 15. Jahrhundert in Privatbesitz der Familie Levan, deren Mitglieder bis heute in der Burg wohnhaft sind. 1964 wurde der Besitz dem National Trust übereignet und Teile der Burg und die Kapelle sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Interieur der Anlage ist nicht weiter erwähnenswert, die Aussicht vom Burgberg ist allerdings die satten Eintrittpreise wert.

Wieder auf dem Festland zurück entscheiden wir uns kurzfristig nach St. Ives zu fahren. Das Wetter weiß nicht so recht was es will, und wir auch nicht. Die Idee, das Wetter mit einem kleinen Stadtbummel zu überlisten hatten heute auch sehr, sehr viele Leute. Alle Parkplätze in St. Ives sind brechend voll. Nur mit viel Glück ergattern wir einen und strömen mit den Massen Richtung Zentrum. Man hat heute das Gefühl, ganz Cornwall ist auf den Beinen. So muss die Gegend in der Hochsaison aussehen. Keine Parkplätze, keine freien Plätze in Cafes und Restaurants und dichtes Menschengewimmel. Wir lassen uns ein bisschen treiben und beobachten die Menschen an Strand und Hafenmeile.

Bei der Rückfahrt  entdecken wir ein ziemlich abgelegenes Pub, welches in unserem Reiseführer für seine vorzügliche Küche gelobt wird. Wir halten und reservieren noch den letzten freien Tisch für heute Abend. Der Reiseführer hatte Recht, in dem unscheinbaren Äußeren des „ Gurnard´s Head“ verbirgt sich ein wahrer Gourmettempel. Wir speisen fürstlich.

An Bord der Scillonian III
An Bord der Scillonian III

18. Tag

St.Mary´s, Scilly

Wir müssen heute in aller Herrgottsfrühe raus, um rechtzeitig nach Penzance zu kommen. Dort wartet am Fährhafen die Scillonian, um uns in ca. 3 h Fahrzeit auf die Isles of Scilly zu bringen.

Wir stellen unser Auto in den vorab reservierten Parkplatz ab und entern die Fähre. Der Wind der letzten Tage hat sich etwas gelegt, aber ohne meine Reisetabletten besteige ich kein Boot.

Pünktlich um 8.30 Uhr heißt es Leinen los und wir schippern gemächlich die Cornische Küste entlang. Je weiter wir uns vom Festland entfernen umso höher wird der Seegang. Wir sitzen draußen und trotz Tabletten wird mir schummrig. Im Inneren der Fähre kommen mir einige sehr grün aussehende Menschen entgegen und auf der Damentoilette hört man immer wieder Würgegeräusche. Schnell wieder raus hier und an Deck an die  frische Luft. Hier beruhigt sich mein Magen wieder und ich kann die restlichen 2 Stunden Fahrzeit fast genießen.

Die Isles of Scilly bestehen aus ca. 140 kleinen Inseln und Felsriffen, von den nur 5 bewohnt sind. Bekannt sind die Inseln für ihre gefährlichen Untiefen, die schon vielen Schiffen zum Verhängnis geworden sind und daher für Wracktaucher sehr interessant sind, aber auch für ihr mildes Klima. Sie liegen 45 km südwestlich von Lands End entfernt mitten im Golfstrom des Atlantik und haben mit Abstand die meisten Sonnenstunden in England vorzuweisen.

 Erreichen kann man die Inseln mit dem Flugzeug von Lands End aus, mit dem Helikopter von Penzance, oder so wie wir mit der Fähre. Die Fähre legt im Hafen von St.Mary´s an, der größten der bewohnten Inseln. 4 von 5 Scillonians leben hier in der „Hauptstadt“ Hugh Town.

Zwischen den Inseln gibt es regelmäßigen und häufigen Bootsverkehr.

Um 12 Uhr mittags legen wir an,  holen unser Gepäck und marschieren gleich los, um unser B&B zu suchen. Seit unserem letzten Besuch hat sich der Ort kaum verändert, noch immer dominieren die 3 Pubs das touristische Leben, selbst die Souvenirläden sind noch die gleichen.

Nach dem Einchecken in der sehr netten und sauberen Pension und einem Lunch im Bishop’s and Wolf schlendern wir durch die Straßen von Hugh Town, bevor uns ein Regenschauer zur Heimkehr zwingt.

Hugh Town am Abend
Hugh Town am Abend

19. Tag

St.Mary´s

Eigentlich soll es laut Wettervorhersage heute schön sein. Ein Blick  aus dem Fenster nach dem Aufstehen lässt schlimmes ahnen. Immer noch kräftiger Regen, der sich beharrlich seit gestern Abend hält. So ein Mist, was soll man hier auf den Inseln machen wenn es gießt wie aus Eimern. Etwas desillusioniert  begeben wir uns zum Frühstück und da geschieht das Wunder. Innerhalb von einer halben Stunde hat der Regen aufgehört, hat sich der Nebel verzogen und haben wir strahlend blauen Himmel mit Sonnenschein. So schnell geht das hier.

Frisch gestärkt und neu motiviert wollen wir heute rund um die Insel wandern. Diese Wanderung haben wir im letzten Urlaub, aufgrund schlechten Wetters, in zwei Tagen absolviert. Damals im September war das Brombeergestrüpp schon viel höher gewachsen und voller reifer Früchte. Auch die Farne, die die ganze Insel bedecken wuchern noch nicht so hoch und dicht. Dafür haben wir jetzt im Frühjahr die Wildblumenblüte. Ob Grasnelken oder Fingerhut, blühende Sukkulenten und noch mehr unbekannte Pflanzen, alles steht in voller Blüte und taucht ganze Landstriche in ein buntes Blumenmeer. Wunderschön. Kreuz und quer laufen wir über die Insel, auf der Suche nach neuen Motiven. In einem hübschen Gartenrestaurant mit Blick über den Hafen von Hugh Town machen wir Mittagspause. Am Nachmittag laufen wir dann die andere Seite von St. Mary´s ab, mit nicht minder schönen Fotomotiven. Das ist Urlaub pur. Einsame Sandstrände zum Muschelsuchen, klares türkises Wasser und angenehme Temperaturen. Speziell hier fällt mir immer wieder der Text eines alten STS Songs ein:

„ Und irgendwann bleib i dann dort, lass alles liegen und stehen, geh von daheim für immer fort. Darauf gib i dir mei Wort, wie viel  Jahr auch noch vergehen, irgendwann bleib i dann dort.“

Träumen darf man doch noch.

Papageientaucher oder Puffin
Papageientaucher oder Puffin

20. Tag

St.Mary´s

Heute ist Hartmut´s 50. Geburtstag. Wie es sich für eine solchen Ehrentag gehört, strahlen die Sonne und mein Mann um die Wette.

Wir haben uns heute für einen Bootsausflug mit Vogelbeobachtung entschieden. Mit einem kleinen privaten Schiffchen, der Blue Hunter, legen wir am Vormittag im Hafen von Hugh Town ab mit Ziel St. Agnes. Die Insel liegt südwestlich von St. Mary´s und ist in ca. 45 Minuten erreicht. Hier haben wir dann 3h Aufenthalt, bevor uns der Bootsführer Paul hier wieder abholt. Wir beschließen uns heute mal ohne echtes Ziel treiben zu lassen und spazieren einfach aufs gerade Wohl los. Eine plötzlich hereinziehende Nebelwand, taucht das  Land in eine gespenstische Stimmung, bevor sich nach wenigen Minuten der Spuk wieder verzieht. Nach dem Mittagessen im letzten Pub Englands freuen wir uns auf den Höhepunkt des Ausfluges. Eine Tour zu den Vogelinseln um die niedlichen Papageientaucher zu beobachten. An der ersten Insel war weit und breit keiner zu sehen und leichte Ernüchterung machte sich breit. Ich dachte immer, die hocken zu Tausenden auf dem Fels zum Brüten. Aber weit gefehlt, erst einmal brüten diese possierlichen Tiere in Erdhöhlen, die vom Wasser aus kaum zu sehen sind, und dann natürlich nicht in diesen Mengen. Wir tuckern mit unserem Boot ein Stückchen weiter, und da, tatsächlich ein kleiner schwarzer Punkt im blauen Ozean. Mein erster Puffin. Wir nähern uns langsam mit dem Boot und können den Vogel in einem angemessenen Abstand beobachten. Ich lasse meinen Fotoapparat im Rucksack, denn durch das starke Schlingern des Bootes brauche ich beide Hände zum Festhalten, damit ich nicht über Bord gehe. Hartmut ist da schon mutiger. Mit seinem riesigen Teleobjektiv hält er tapfer den Stand und rettet nicht nur sich und die Kamera vor Wasserschäden, sondern es gelingen ihm sogar einige sehr sehenswerte Bilder des kleinen gefiederten  Kameraden. Auch über unseren Köpfen sind einige der lustig „bemalten“ Vögel zu sehen. Die fliegen aber so schnell, dass an fotografieren im Flug nicht zu denken ist. Trotzdem sind wir zufrieden mit der Fotoausbeute und sind froh dann auch wieder in ruhigere Gefilde zu schippern. An den Sandstränden von Bryher machen wir dann noch halt und genießen im warmen Sand das Karibikfeeling, welches sich hier unweigerlich einstellt. Fehlt nur noch der entsprechende Cocktail. Stat dessen gibt’s für mich einen Tee und für  Hartmut ein Pint Guinness.

Abendessen gibt es im voll besetzten „Boat Shed“ in Hugh Town. Im Moment wohl DAS In-Restaurant auf den Scillies. Das Essen war auch recht lecker, nur die Atmosphäre war an unserem Tisch leider nicht so gemütlich. Zu weit weg vom schönen Sonnenuntergang und zu nah an Küche und Tresen, d.h. ziemliche Lautstärke und ständige Unruhe. Eigentlich wollten wir den Tag etwas entspannter ausklingen lassen. Aber trotzdem war es, glaube ich ein ganz gelungener Geburtstag, oder?  JA

Treso Abbey Garden
Treso Abbey Garden

21. Tag

St. Mary´s

Drei der fünf bewohnten Inseln haben wir in den vergangenen Tagen schon besucht. Heute erobern wir die Vierte, Tresco mit seinem weit bekanntem Abbey Garden steht auf dem Programm.

Wieder mit Paul uns seinem „Blue Hunter“ setzen wir am Morgen in einer halben Stunde auf die Nachbarinsel über. Der Eingang des Abbey Garden ist ca. ½ h Fußweg vom Hafen entfernt, und wir nutzen die frühe Stunde um dem erwarteten Gedränge aus dem Weg zu gehen. Mit Sicherheit ist der Abbey Garden einer der schönsten Garten und Parkanlagen Cornwalls.

Der etwa 0,7 Hektar große Park, liegt auf dem ehemaligen Gelände einer Benediktiner Abtei, deren Ruinen teilweise im Garten integriert sind. Im 19.Jahrhundert wurde die Anlage von Augustus Smith angelegt. Aufgrund des milden Klimas sind hier etliche tropische Pflanzen aus aller Welt heimisch. Von Südafrikanischen Proteen bis zum neuseeländischen „Weihnachtsbaum“ reicht die vielfältige Palette. Auch ein Museum für gestrandete Gallionsfiguren ist innerhalb der Gartenanlage eingebettet.

Am Nachmittag spazieren wir noch ein bisschen über die Insel, trinken ein Bierchen in Old Grimsby und genießen den herrlichen sonnigen Tag.

Zum Essen haben wir uns heute für Juliet’s Garden Restaurant entschieden. Dem Cafe an dem wir vor zwei Tagen schon mittags begeistert waren. Am Abend wird das Diner im Restaurant serviert, nachdem man einen Aperitif  auf der Terrasse zum Sonnenuntergang eingenommen hat, und anschließend stilvoll zu Tisch geführt wird. Oh, wie edel. Auch das Essen war hervorragend, die Atmosphäre mit Blick über den Hafen romantisch. Topadresse.

Godrevy Leuchtturm bei St. Ives
Godrevy Leuchtturm bei St. Ives

22. Tag

St. Ives

Heute heißt es schweren Herzens Abschied nehmen von den Scillies. Welch wundervolle Tage haben wir hier verbracht. Auch am letzten Tag scheint die Sonne und wir trödeln langsam nach dem Frühstück und Koffer packen in die Garnison, die ehemalige Verteidigungsanlage von St. Marys. An den alten Schießscharten sind noch Kanonen aufgestellt und hier kann man sich überall ein ruhiges Plätzchen zum gepflegten Nichtstun suchen. Das machen wir dann auch. Ich vergrabe mich in mein Buch, Hartmut hört Musik und beobachtet das Ein-, und Auslaufen der Segelboote im Hafen. Mittagspause halten wir in den Katakomben des Star Castle Hotels. Früher Teil der Garnison, heute ein Nobelhotel. Wir werden aber trotz unserer legeren Kleidung ohne Starallüren bedient. Sehr angenehm. Die restliche Zeit nutzen wir um noch ein paar Souvenirs zu erstehen, bevor um 17 Uhr die Scillonian in Richtung Penzance ablegt. Nach der Ankunft holen wir unser Auto wieder ab, und machen uns auf den Weg nach St. Ives. Unser dortiges B&B ist mit dem Auto gar nicht so leicht zu finden, trotz Navi, aber schließlich gelingt es uns doch noch. Unsere sehr junge Zimmerwirtin spricht zwar ein fast unverständliches Englisch, aber die Zimmer sind schön und modern eingerichtet.

Abendessen lassen wir heute ausfallen, da wir von der Anreise einfach nur noch groggy sind. Also ab in die Heia.

Bei St. Ives
Bei St. Ives

23. Tag

St. Ives

Endlich wieder Wandern. Wir erkunden heute das Landesinnere der hier sehr dünn besiedelten Penwith Halbinsel. An einem einsamen Parkplatz begeben wir uns auf eine Reise in die Jungsteinzeit. Hier auf den britischen Inseln kann man noch Zeuge jener mehr als 5000 Jahre alten Megalithkultur werden, deren Bauwerke aus Fels und Stein noch heute erhalten sind. Meistens handelt es sich dabei um Dolmen, Ganggräber oder Steinkreise. Stonehenge ist wohl eines der bekanntesten Beispiele. Wir treffen auf der heutigen Tour auf drei solcher uralten Bauwerke. Beginnend mit dem Chûn Quoit, einem Dolmen der vermutlich als Portalgrab diente und unter einem Erdhügel verborgen lag. Er gilt als einer der größten Anlagen dieser Art in der Gegend. Verwunderlich daher, dass er frei zugänglich mitten in der Prärie steht. Auch ein überwucherter runder Dorfwall aus Steinen ist in der Nähe zu besichtigen. Wir wandern weiter und entdecken auf dem „Gipfel“ eines Tor eine sogenannte Letterbox. In der Mooren von Cornwall und Devon hat sich das Letterboxing zu einem regelrechten Sport entwickelt. Es werden dazu wasserdichte kleine Behälter in unzugänglichen Regionen der Moore versteckt und mit Briefpapier, Stift und neuerdings auch Stempel versehen. Jeder der eine solche Box findet, kann sich dann in dem beigelegten Heftchen verewigen und mit dem Stempel „beweisen“, dass er es gefunden hat. Manche Menschen sind regelrecht süchtig nach dem Briefkasten suchen. Auch wir schreiben uns ins Buch der Letterbox ein und setzen unsere Tour fort. Auf einer Kuhweide ganz in der Nähe werden wir dann von den halbstarken Einwohnern ( ca. 10 Rindviecher ) angegriffen. Bei der Flucht über die Weide habe ich denn auch noch unsere Wanderkarte verloren, die sofort von den „wilden Bestien“ zerstückelt wurde. Jetzt muss es halt ohne gehen. Etwas aufgewühlt erreichen wir dann unser nächstes Ziel den Men á Tol. Eine Anlage aus der Bronzezeit

(3000-4000 Jahre alt), die aus zwei Menhiren (aufrecht stehender Granitfels) und einem Lochstein in der Mitte besteht. Dem Devil´s Eye, wie die Anlage auch genannt wird, werden magische Fähigkeiten nachgesagt. Darum zwängen wir uns auch durch den engen Lochstein um auf ewig gesund zu bleiben. Leider haben wir erst später erfahren, dass wir dreimal und das auch noch rückwärts durch das Loch steigen mussten um das Ritual zu vollenden. Auch die Mondkonstellation war uns nicht bekannt. Na ja, es zählt bekanntlich auch der gute Wille. Unsere Rundtour schließen wir mit dem Besuch des Lanyon Quoit , wieder ein 5500 Jahre alter Dolmen, ab.

 

Strand bei St. Ives
Strand bei St. Ives

24. Tag

St. Ives

Trotz schlechter Wetterprognose scheint an diesem Sonntag mal wieder die Sonne und wir wollen das Auto stehen lassen um die nähere Umgebung zu besuchen. Wir schlendern durch die, zu dieser frühen Stunde, noch stillen Gassen und laufen ein Stück auf dem Michael´s Way, dem alten Pilgerweg zum St. Michael´s Mount. Eigentlich wollten wir heute nur ein bisschen spazieren gehen, aber schon nach wenigen Metern geht es schon wieder aufwärts. Es gibt wohl an der Küste kein Stück, das sich länger im flachen Bereich abspielt. Nach ca. ½ h erreichen wir Carbis Bay mit seinem schönen Sandstrand. Noch etwas weiter, an der Mündung des Hayle, kommen wir an eine weiteren kilometerlangen Sandstrand. Nur wenige Menschen tummeln sich hier. Zum Baden ist es heute auch zu windig, aber um kurz die Zehen ins kalte Nass zu stecken reichen die Temperaturen allemal. Der weitere Weg Richtung Hayle ist dann nicht mehr so interessant, bzw. verläuft längere Zeit auf viel befahrenen Straßen. Somit entscheiden wir uns nach St. Ives zurück zu kehren, aber nicht zu Fuß sondern mit einer der wenigen Zugverbindungen in Cornwall. Abends speisen wir vorzüglich im Seafood Cafe in St. Ives. Hier kann man sich den Fisch an der Theke aussuchen, der dann auf die gewünschte Zubereitungsart immer frisch serviert wird. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber äußerst geschmackvoll.

 

Künstler-Cottage bei St.Ives
Künstler-Cottage bei St.Ives

25. Tag

St. Ives

Heute hat es uns doch noch erwischt. Dauerregen in England. Schon am frühen Morgen kübelt es aus vollen Eimern. An Outdoor Aktivitäten ist heute nicht zu denken. Wir wollen daher der Tate Gallery einen Besuch abstatten. Laut Reiseführer, das touristische Highlight der Stadt. Architektonisch hebt sich der Bau wirklich positiv ab und thront direkt über dem Porthmeor Beach. Mit seinen großen Fenstern verspricht er eine tolle Aussicht von innen über einen der drei Stadtstände von St Ives. Die Aussicht ist bei schönen Wetter bestimmt ein Traum, heute jedoch grau in grau. Was uns allerdings viel mehr geschockt hat war die Kunst, die dieses Museum beherbergt. Zugegeben wir sind nicht unbedingt die Kunstexperten, auch mit moderner Kunst haben wir so unsere Probleme, aber was da ausgestellt wird ist den Hype, der um das Kunsthaus gemacht wird, nicht wert. Über die Ausstellungsstücke lässt sich streiten, aber was mich vor allem gestört hat, war die Anzahl der Kunststücke. Es sind vielleicht drei bis vier Räume in denen ausgestellt wird, alles in allem ca. 30-40 Kunstobjekte. In einer halben Stunde waren wir durch. ( Hartmut schon nach 10 Minuten). Auch das vielgelobte Cafe hat eher Kantinencharakter. Ich war schwer enttäuscht. So, was macht man dann in England bei schlechtem Wetter. Natürlich shoppen gehen. Wir fahren nach Penzance und decken uns dort mit Tee, Keksen und Guinness für zuhause ein. Am Abend wollen wir noch schön Essen in das Porthminister Beach Cafe. Eines der Szenelokale der Stadt. Da es immer noch regnet und wir uns zu Fuß auf den Weg machen, ist unser Styling dem Lokal nicht ganz angepasst. Leider lässt man uns das, trotz ordentlicher Zeche, auch merklich spüren. Das Essen war hervorragend, aber der Service doch sehr snobistisch. Man fühlt sich dort einfach nicht wohl, da können die Speisen noch so gut zubereitet sein. Schade

 

Im Hafen von Lymington
Im Hafen von Lymington

26. Tag

Totland Bay

Heute müssen wir Cornwall wieder verlassen. Der Abschied fällt uns schon sehr schwer. Auch dieses Mal haben wir wunderbare Tage hier verbracht. Die meiste Zeit hatte Petrus ein Herz und schenkte uns strahlenden Sonnenschein. Unsere Unterkünfte waren durchwegs empfehlenswert. Und so fahren wir mit einem tränenden Auge nach dem Frühstück Richtung Osten. An den beiden Mooren und Exeter vorbei, danach wenden wir uns südwärts und fahren durch die ansehnliche Grafschaft Dorset mit seiner weltbekannten Jurassic Coast, an der man immer mal wieder kleine und große Fossilien finden kann, und erreichen am frühen Nachmittag das kleine Hafenstädtchen Lymington. Hier steht alles im Zeichen des Segelsports. Im hübschen Hafen liegen unzählige kleine Yachten bereit zum Auslaufen. Wir holen uns die letzten Pasties des Urlaubs und futtern sie gemütlich am Hafen. Ein paar Stunden später legt unsere Fähre ab, um uns in einer halben Stunde auf die nur ein paar Meilen entfernte Isle of Wight zu bringen. Dort in Yarmouth angekommen fahren wir ins 4km entfernte Totland Bay um unser Hotel zu suchen. Das Sentry Mead entpuppt sich als victoranisch, englisches Gasthaus mit zwar altem aber auch stilvollem Ambiente. Der gute Ruf der Küche war uns schon bekannt, und auch wir können dies nur bestätigen. Sehr zuvorkommender Service und täglich wechselnde Speisekarte bringen den richtigen Wohlfühlfaktor ein. Ein kulinarisch krönender Abschluss des Urlaubs. Am Abend, nach einem der brillianten Menüs, können wir auch noch schöne Sonnenuntergangsbilder am Strand schießen.

 

VW Bully
VW Bully

27. Tag

Totland Bay

Und wieder ein perfekter Tag. Milde Temperaturen und ein Sonne- und Wolkenmix begrüßen den Tag. Wir möchten heute mal die Highlights der Isle of Wight abklappern und fangen ganz in der Nähe unseres Hotels in der Alum Bay an. Der dortige Vergnügungspark ist zwar nicht nach unserem Geschmack aber wir laufen ein Stück zur Old Battery, einer Geschützstellung vom ersten und zweiten Weltkrieg, die jetzt als Museum dient. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Needles, einer Kreidefelsformation an der Küstenspitze. Es werden von der Alum Bay auch Bootsausflüge dorthin angeboten. Wir begnügen uns mit der Sicht von oben auf die fotogenen Felsen und spazieren langsam über die Kreideklippen zum Parkplatz zurück. Nächster Fototermin ist in Freshwater Bay. Auch hier wieder das vertraute, fast kitschige Küstenszenario: weiße Kreidefelsen, türkises Wasser, blühende Klippenvegetation. Hier gesellen sich noch leichte Nebelschwaden und stilvolle Häuser und Cottages dazu. Wir knipsen aus allen Stellungen und Lagen bevor wir unsere Reise ins Inselinnere fortsetzen. Dort treffen wir auf alte, sehr fotogene kleine Dörfchen mit wunderschönen reetgedeckten Cottages, Bilderbuchengland.

An der Nordküste angekommen statten wir Osbourne House noch einen Besuch ab. Dieses mediterran wirkende Schloss war Sommerresidenz der Königin Victoria, in der sie auch 1901 verstorben ist. Der Großteil der Räume kann besichtigt werden, darunter auch das Sterbezimmer, indem seither nichts verändert wurde. Man kann die Verehrung der mütterlichen Königin durch ihr Volk noch in heutiger Zeit spüren. Auf der Terrasse des Anwesens mit Blick über den Solent nach Southhampton kann man verstehen, warum sich Königin Victoria, in dem von ihrem geliebten Albert erbauten Schloss, so wohlfühlte. Die Isle of Wight ist doch sehr viel beschaulicher als London und Windsor. 

 

Garten im Osborne House
Garten im Osborne House

28. Tag

Totland Bay

Die Wettervorhersage für heute ist nicht so berauschend, so setzen wir uns lieber ins Auto und fahren auf die Ostseite der Insel, statt wie eigentlich geplant den Tennyson Walk zu erwandern. Wir besichtigen eine alte Getreidemühle und klappern die Seebäder an der Westseite ab. In der Hochsaison soll hier kein Bett mehr zu ergattern sein. Aber irgendwie wirken die Orte Shanklin und Sandown schon reichlich abgelebt. Das graue Wetter verstärkt den Eindruck noch. Über Newport wollen wir zurück nach Totland. Aber hier herrscht im Augenblick sehr das Chaos. Das Verkehrschaos. An diesem Wochenende wird hier in Newport das weltberühmte Isle of Wight Festival stattfinden, mit erwarteten 500.000 Besuchern. Das Newport Festival gilt als das Woodstock Europas und damit als bekanntestes Festival in Großbritannien. In diesem Jahr sind wohl Paul McCartney und Pink! die bekanntesten Künstler, die auf mehreren Bühnen innerhalb der nächsten drei Tage, auftreten. Von überall her strömen die Rucksackträger mit Zelt auf das Festivalgelände und die wichtigste Ost/West Verbindung wurde für den Verkehr gesperrt. Verkehrssupergau! Wir müssen morgen früh auf unserem Weg zur Fähre wieder hier durch, dass heißt früh aufstehen damit wir unser gebuchtes Schiff auch erreichen. Auch den letzten Abend verbringen wir in angenehmer Atmosphäre im Hotelrestaurant und lassen bei Wein und Kerzenschein den Urlaub Revue passieren.

 

Garten von Osborne Haus
Garten von Osborne Haus

29. Tag

Calais

Nach über vier Wochen Rundreise ist er jetzt da, der letzte Urlaubstag. Um die Fähre nicht zu verpassen, verzichten wir auf das Frühstück (nach soviel Rührei in den letzten Wochen, kein Verlust) und starten schon vor acht Uhr los. Durch Newport läuft es erwartungsgemäß sehr zäh, aber wir haben genug Puffer um pünktlich am Anleger anzukommen. Wir setzen nach Portsmouth, einem bis heute wichtigen Marinestützpunkt der Royal Navy, über und entscheiden uns an der Küste entlang nach Osten zu fahren. Wir lassen das berühmte Seebad Brighton links liegen und fahren nach Eastbourne weiter, welches mit einem weiteren Naturschauspiel gesegnet ist. Hier an der Südküste von East Sussex gibt es mit dem Beachy Head und den Seven Sisters, die höchsten Kreideklippen Großbritanniens. Vor dem 162m hohen Beachy Head wirkt selbst der 40m hohe Leuchtturm wie ein Spielzeugtürmchen. Wir wandern ein Stückchen den South Downs Way entlang auf gewohnt gewelltem Terrain. Die dramatische Wolkenformation mit dunklen Gewitterwolken zaubern eine einmalige Stimmung. Das wäre ein Tipp für den nächsten Urlaub. Eine Wanderung von Eastbourne zu den Seven Sisters. 

 

Bye, Bye Dover
Bye, Bye Dover

Und so kommen wir schön langsam zum Ende der Reise. Als Fazit ist festzuhalten: auch beim zweiten mal entpuppt sich der Süden Englands als wahre Schatzkammer für aktive Individualtouristen. Ideale Infrastruktur mit vielen B&B , Pubs und Restaurant für jede Klientel und jeden Geldbeutel, grandiose Küstenlandschaften mit niedlichen Fischerdörfern und Kleinstädten und einem Fernwanderweg, der auch bequem in verschiedenen Etappen erwandert werden kann, und der seines gleichen sucht.

Für uns war es ein Traumurlaub. Kaum Kritikpunkte, nur viele, viele Bilder, Geschichten und Reiseanekdoten.

Bye, bye and see you again soon, my England.

 


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